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Thema | Oktober 2021


Das geistliche Immunsystem in Balance halten

Allergien sind zu einer unliebsamen Begleiterscheinung unseres Lebens geworden. Nicht nur das Immunsystem des Körpers, auch die geistlichen Abwehrkräfte können unangemessen reagieren. Deshalb ist es wichtig, dass wir unser geistliches Immunsystem gesund halten.



Wenn das Immunsystem verrücktspielt
Es ist ein sonniger, warmer Tag. Die Natur zeigt sich von der üppigsten Seite – so richtig zum Geniessen. Doch plötzlich beginnen die Augen zu brennen, die Nase läuft, der Gaumen kitzelt, dann folgt eine Niesattacke. Diese auffälligen Symptome sind kein Zeichen für ein Virus, das meinen Körper angreifen will. Im Gegenteil – ich bin kerngesund und mein Immunsystem läuft auf Hochtouren. Doch ist das Abwehrsystem manchmal so eifrig, dass es überall Feinde sieht. Harmlose Pollen lösen eine heftige Reaktion aus, die mich völlig ausser Gefecht setzt. Ich kann mich nicht mehr konzentrieren, sehe nur noch verschwommen, die verbrauchten Taschentücher türmen sich und das lästige «Hatschi, Hatschi» macht ein vernünftiges Gespräch unmöglich. Ich verkrieche mich an einen dunklen Ort, bis die Attacke abklingt.

Viele kennen es aus eigener Erfahrung, wenn das Immunsystem verrücktspielt. Es gibt aber auch vergleichbare Phänomene im geistlichen Leben.

Wir brauchen geistliche Abwehrkräfte
Als Nachfolger von Jesus Christus leben wir in einer gefallenen Welt und stehen in einem geistlichen Kampf. Ähnlich wie von Viren, die unseren Körper krank machen möchten, werden wir von falschen Ideen angegriffen. Sie versuchen, in unser Denken einzudringen und uns zu sündigem Handeln zu verleiten. Dahinter steht Satan, der sein Reich nicht kampflos aufgibt und uns wieder zurückgewinnen möchte. Doch sind wir seinen Angriffen nicht schutzlos ausgeliefert. Im Glauben an Jesus haben wir neues Leben bekommen, das mit göttlichen Abwehrkräften ausgerüstet ist. Wie das Immunsystem unseres Körpers schädliche Eindringlinge vernichten kann, will uns der Heilige Geist teuflische Verführungen aufzeigen. Er hilft uns, zerstörerische Lügen mit der Wahrheit der Bibel abzuwehren. So bleiben wir geistlich gesund und wachsen in unserer Beziehung zu Jesus Christus.

Überspitzte Feindbilder
Unsere menschliche Natur neigt aber leider dazu, das Wirken des Heiligen Geistes zu verzerren. Manchmal ignorieren wir die göttlichen Warnungen und lassen uns von sündigen Gedanken verführen. Doch können wir auch in einen übereifrigen Abwehrkampf fallen. Dann reagieren wir ähnlich wie das Immunsystem von Allergikern. Wir sehen uns von lauter schädlichen Einwirkungen bedroht, kämpfen gegen vermeintliche Feinde und lösen dabei heftige Überreaktionen aus. Was nicht unserem gewohnten Denkmuster entspricht, betrachten wir als gefährliche Idee. Neue Technologien verbinden wir vorschnell mit einem antichristlichen System. Hinter politischen Veränderungen vermuten wir einen Angriff auf die Glaubensfreiheit. Wie bei einer allergischen Reaktion dreht sich alles nur noch um ein überspitztes Feindbild und entsprechende Abwehr. Wir nehmen unsere Umgebung nicht mehr richtig wahr, ziehen uns zurück und sind so stark von unseren Überzeugungen eingenommen, dass wir kaum mehr auf andere hören.

Endzeitängste
Solche Überreaktionen des geistlichen Immunsystems sind besonders im Zusammenhang mit Endzeitprophetien anzutreffen. Ein Beispiel dafür ist die Vision der beiden Tiere in Offenbarung 13. Dort bekommt Johannes Einblick in ein teuflisch gesteuertes Weltreich. Als Erkennungsmerkmal des Herrschers wird die Zahl 666 genannt. Wer leben will, muss den antigöttlichen Diktator anbeten und sich kennzeichnen lassen, dass er kaufen und verkaufen kann. Wer es nicht tut muss unter deren Folgen leiden oder sterben.

Diese Prophetie scheint eine besondere Anziehungskraft auf Christen zu haben, die besonders achtsam auf die Wiederkunft von Jesus warten und sich auf die herrliche Zukunft in Gottes ewigem Reich vorbereiten. Unter keinen Umständen wollen sie unter den Einfluss einer teuflischen Weltherrschaft kommen. Um sich möglichst gut davor zu schützen, wird versucht, das Geheimnis des antichristlichen Zeichens zu entschlüsseln und den satanischen Einfluss zu identifizieren. Zahlreiche Personen und Systeme wurden schon mit der rätselhaften Zahl in Verbindung gebracht: der römische Kaiser, Mohammed, der Papst, US-Präsident Ronald Reagan, Bill Gates, die Vereinten Nationen, die europäische Union, das Barcodesystem, das Internet, Zahlungskarten und in der jüngsten Vergangenheit die Impfung gegen Covid-19. Ohne auf Details eingehen zu können, zeigen schon die Unterschiede in der Aufzählung, wie widersprüchlich diese Identifikationsversuche sind.

Solche Spekulationen können bedrückende Ängste auslösen. In gut gemeinter Absicht versuchen Christen, andere vor drohenden Gefahren zu warnen. Problematisch wird es dann, wenn biblische Wahrheiten mit spekulativen Ideen vermischt, beliebige Informationen aus dem Internet ungefiltert übernommen und persönliche Sichtweisen­ als allgemein gültige Tatsachen dargestellt werden. Das sind typische Symptome eines überreagierenden geistlichen Abwehrsystems.

Das geistliche Immunsystem gesund erhalten
Natürlich sollen wir politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen aufmerksam beobachten und nach der biblischen Wahrheit beurteilen. Dazu brauchen wir gesunde Prinzipien, wie die Botschaft der Bibel richtig verstanden und angewendet werden soll. Einer dieser Grundsätze lautet, dass der Heilige Geist zuerst klar und verständlich in die Situation der ursprünglichen Empfänger eines biblischen Buches gesprochen hat. Das gilt auch für die Offenbarung. Die Gläubigen zur Zeit von Johannes haben demnach verstanden, auf wen die Zahl 666 hinwies. Wir brauchen uns heute nicht in spekulativen Erklärungsversuchen zu verlieren. Doch spricht die Vision in Offenbarung 13 deutlich in unsere Zeit. Unsere Welt steht mitten im Konflikt zwischen dem Reich des Lichts und dem Reich der Finsternis. Satan bedient sich menschlicher Machtstrukturen, um seine Herrschaft auszuüben. Der Konflikt spitzt sich zu, bis Jesus wiederkommt, seinen Sieg in allen Bereichen durchsetzt und seine Nachfolger in Gottes neue Welt führt. Bis es so weit ist, stehen wir unter dem Schutz unseres allmächtigen Herrn.

Wir müssen nicht ängstlich nach möglichen Bedrohungen suchen. Es ist viel wichtiger, unsere Beziehung zu Jesus Christus zu vertiefen und uns nach der biblischen Wahrheit auszurichten. Genau das bewirkt der Heilige Geist. Er warnt uns auch zuverlässig vor versteckten Gefahren. Doch ist er kein Panikmacher, sondern ein Tröster, Ermutiger, Helfer und Fürsprecher. Er hält unser geistliches Abwehrsystem gesund, damit wir nicht von Feindbildern bestimmt sind, sondern von der Gegenwart des Siegers.