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Thema | November 2022


Geld: Weisheit ist gefragt!

«Über Geld spricht man nicht, Geld hat man.» Die Bibel spricht aber sehr viel darüber. Wie gehe ich weise mit Geld um? «Freigebige werden reicher, Geizige werden arm», so lehrt uns ein Spruch Salomos.



Was ist Weisheit?
Ein Aspekt der Weisheit ist die Fähigkeit, sein Leben gut zu gestalten. Im Umgang mit Geld ist Weisheit weit mehr als nie zu betrügen. Sie umfasst das Wissen, richtig zu entscheiden unter verschiedenen Möglichkeiten, die zwar alle gesetzeskonform, aber nicht alle weise sind. 

Im Umgang mit Geld ist Weisheit gefragt. Geld ist Macht, Geld hat Macht. Mit Geld kann man viel Gutes tun. Man kann damit ermöglichen, Reich Gottes zu bauen. Aber mit Geld kann man auch viel Schaden anrichten – im eigenen Leben und im Leben von anderen Menschen. Darum gibt die Bibel dem Thema «Geld und materielle Güter» sehr viel Raum: weit über 2000 Verse sprechen darüber. Viele davon stehen in den Sprüchen und Psalmen.

Die Macht des Geldes
Die Bibel vermittelt uns ein positives Bild vom Materiellen und zeigt gute Wege auf, um mit Arbeit, Fleiss und Einfallsreichtum zu Wohlstand zu gelangen. Aber auch die Kehrseite wird aufgezeigt:

  • Geld hat die Macht, meine Ehrlichkeit zu zerstören. Immer wieder wundert man sich, wie Menschen mit edlem Charakter dieser Macht erliegen. Sprüche 11,1 will provozieren mit der Aussage: «Falsche Waage ist dem Herrn ein Gräuel». Der Begriff «Gräuel» wird sonst im Alten Testament meist für sexuelles Vergehen verwendet. 
  • Geld neigt dazu, den Egoismus zu verstärken – zum Nachteil der Allgemeinheit.
  • Geld birgt die Gefahr, von dem abzulenken, was wirklich wichtig ist. Wenn Sprüche 11,4 (NLB) sagt:  «Reichtum ist nutzlos am Tag des Gerichts», dann bedeutet das nicht nur, dass ich mir den Eintritt in den Himmel nicht kaufen kann. Wir lernen in der Bibel auch, dass im Jenseits nicht belohnt wird, wer viel Reichtum sammelte, sondern wer viel davon verteilte.
  • Viele Menschen neigen dazu, sich mit Geld ein Gefühl zu verschaffen von Bedeutung (ich kann viel ausgeben) und von Sicherheit (ich habe viel Vermögen): «Der Reiche hält seinen Reichtum für eine uneinnehmbare Festung; sie erscheint ihm als hohe sichere Mauer» (Sprüche 18,11 NLB). Ein solches Verständnis von Geldbesitz kann zum Ersatz für Gott werden, also zum Götzen. Doch nur Gott kann echte Sicherheit geben: «Der Name des Herrn ist eine feste Burg; der Gottesfürchtige flüchtet sich zu ihm und findet Schutz» (Sprüche 18,10 NLB).
  • Das Gefühl, zu wenig Geld zu haben, kann in die Sorgen treiben. Denken wir daran, dass Jesus lehrt, auf Gott zu vertrauen: «Der selbst den Spatzen gibt zu essen, hat auch die Menschen nicht vergessen.»
  • Liebe zum Geld birgt die Gefahr der Überarbeitung, des übersteigerten Selbstvertrauens und der Zerstörung von Beziehungen.

Die Macht des Geldes brechen
Wie können wir die Macht des Geldes brechen? Dazu zwei Hinweise:

  • 1. Bedürfnisse von Wünschen unterscheiden

Selbst in der reichen Schweiz hört man oft: «Ich habe kaum genug zum Leben. Wie sollte ich da noch etwas weitergeben?». Überlege dir, mit wie wenig Geld die meisten Menschen in fast allen anderen Ländern auskommen müssen! Oft bleibt das, was wir als Bedürfnis einstufen, für sie ein unerfüllbarer Wunsch. Der hohe Lebensstandard in unserer Gesellschaft wirkt manchmal wie eine Sucht: Je mehr ich habe, desto mehr brauche ich! 

Wünsche von Bedürfnissen zu unterscheiden, lernt man zum Beispiel, indem man beides budgetiert und dann die Ausgaben in der passenden Kategorie verbucht.

  • 2. Das Prinzip von Streuen begreifen

In Sprüche 11,24 finden wir ein Sprachspiel: «Wer grosszügig gibt, wird dabei immer reicher; wer aber sparsamer ist, als er sein sollte, wird immer ärmer dabei.» (NLB).

Verkürzt gesagt: Streuen sammelt, sammeln zerstreut

Das tönt auf den ersten Blick ziemlich unlogisch, sogar widersprüchlich. Wie soll der Sinn dahinter erkennbar sein? Nun, wir kennen dieses Prinzip aus der Landwirtschaft: Wer viel ernten will, muss grosszügig Samen ausstreuen. Oft kommt das Ergebnis des Streuens sogar in besserer Form zurück: Salat- oder Kartoffelsamen sind ungeniessbar, aber was daraus wächst, ist nahrhaft und gesund.

Von Herzen geben, weil Jesus alles gab
Im 2. Korintherbrief will Paulus die Gemeinde motivieren, den Armen zu geben. Wie? Er spricht weder ihren Willen noch ihre Gefühle an, sondern ihr Herz: «Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet» (2. Korinther 8,9). Etwas später motiviert er sie zur Grosszügigkeit mit einem Psalmwort über den gottesfürchtigen Menschen, den wir nirgends vollkommener finden als in Christus: «Er hat ausgestreut ... und seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit» (2. Korinther 9,9).

Damit weist Paulus hin auf das absolut grösste Beispiel von Streuen und Sammeln: auf Jesus Christus am Kreuz. Als sie ihm 39 Peitschenschläge gaben, Peitschen mit Metall- und Knochenstücken am Ende, wurde sein Leib buchstäblich in Stücke zerrissen, «gestreut». Warum? Um uns zurück zu Gott zu bringen, um uns zu sammeln. 

Paulus zeigt hier, dass das Kreuz das eigentliche Streuen ist, der letzte Akt der Grosszügigkeit, der Ort, an dem Jesus arm wurde, um echten Reichtum zu schaffen. Wir sind für Jesus wertvoll und das gibt uns Bedeutung, die Geld nie geben kann. Je mehr dich seine Grosszügigkeit im Innersten berührt, je mehr das deine eigentliche Sicherheit wird, desto mehr wirst du frei von der Macht des Geldes.

 

Einige Gedanken dieses Artikels sind einer Predigt von Timothy Keller entnommen.