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Thema | November 2020


Jüngerschaft – das Jesus-Modell

Schon der weise König Salomo stellte fest, dass es nichts Neues unter der Sonne gibt. Bleiben nicht die grundlegenden Fragen der Menschheit dieselben? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Was ist der Sinn meines Lebens? Suche ich eine Antwort, die für mich passt? Oder lasse ich mich herausfordern, in eine verbindliche Jesus-Nachfolge zu treten und meine Lebensaufgabe zu erkennen: Jünger von Jesus zu sein und Jüngerschaft zu leben.



Mein Auftrag
Den Befehl, Menschen zu Jüngern zu machen, hat Jesus nach seinem Sterben am Kreuz und der Auferstehung von den Toten ausgesprochen. Zwölf Männer nahmen diesen Befehl zu Herzen, nachdem sie eine 3-jährige Lehrzeit mit ihrem Meister durchlaufen hatten. Sie erlebten, wie der Heilige Geist den Grundstein zur ersten Gemeinde legte (Apostelgeschichte 2). Wie erleben wir die Gemeinde von Jesus, die weltweite Kirche, heute? Offen gesagt, hat ihr Ruf stark gelitten. Sie hat schmerzliche Spaltungen und unschöne Szenen erlebt, die uns wehtun. Die Gemeinde leidet daran, dass die Gastfreundschaft, die Treue, der lebendige Glaube und andere wertvolle christliche Eigenschaften nicht immer wahrgenommen und ausgelebt werden, wie Jesus sie vorgelebt hat.

Leben wir heute noch Jüngerschaft? Was meinte Jesus als er sagte: «Ruft alle Menschen dazu auf, meine Jünger zu werden!» (Matthäus 28,19 HFA)? Was geht in uns vor beim Lesen dieser Bibelstelle? Fühlen wir Überforderung, Ohnmacht und Kraftlosigkeit? Oder blüht in uns ein Wunsch und eine Sehnsucht auf? Ich jedenfalls kenne die Gefühle der Überforderung. Diese führten oft dazu, dass ich untätig war. Doch zum Glück haben viele Menschen vor uns den Auftrag wahrgenommen, sonst könnten wir uns jetzt nicht als die heutigen Jünger von Jesus bezeichnen. Es gibt nichts Neues unter der Sonne, aber jede Generation – das betrifft also auch mich – muss «das Alte» wieder neu entdecken und ausleben. Dadurch wird wiederum die nächste Generation inspiriert und geprägt.  

Meine Kraftquelle
Nur schon das Denken an den Auftrag von Jesus liess in meinem jungen Christenleben Unbehagen aufkommen. Jesus nachfolgen – ja, das wollte ich. Sein «Zeuge» zu sein fiel mir aber sehr schwer. «Evangelisation» war für mich ein rotes Tuch. Leute einladen, der «Stündeler» sein … Ich war froh, wenn die «Evangelisationswoche» abgehakt war und ich das ganze Thema für ein Jahr vergessen konnte. Die Gemeinde jedoch liebte ich. Meine Freunde waren für mich unentbehrlich.

Gott führte mich aber an einen Punkt, an dem ich Jesus inniger und tiefer als vorher erleben durfte. Ich realisierte, dass mein Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist! Die Nähe zu Jesus änderte mein Denken und stärkte meine Identität: Ich bin ein Königskind, ein Stück Himmelreich wohnt in mir! Dieser Gedanke beflügelt mich heute noch und ich gehe mit Dietrich Schindler einig, der sagt: «Es gibt mehr nach der Bekehrung; Jesus will uns in seine Nachfolge nehmen, uns in sein Reich einspannen, um weitere Menschen in die Nachfolge von Jesus zu führen.» Die Triebfeder finde ich im Gebet, im Lesen der Bibel und im Austausch mit anderen Kindern Gottes. Eine intime Gemeinschaft mit Jesus pflegen und seine Nähe suchen ist die erste Priorität und die Kraftquelle eines Jüngers von Jesus.

Mein Umfeld
Bin ich in der Beziehung mit Jesus fest verankert, verändert sich unweigerlich mein Umfeld. Ich bin Licht und Salz dieser Erde. Jeder Einzelne von uns ist in ein Umfeld hineingepflanzt. Dietrich Schindler formuliert die Metapher von Jesus so: «Meistens interessieren sich die Leute nicht für unsere Botschaft, wenn wir uns nicht zuerst für sie interessieren.»2 Wie sieht das «Feld» aus, in dem ich lebe? Für was interessieren sich denn meine Nachbarn? Natürlich für vieles! Zu den Menschen gehen und ihre Fragen, Bedürfnisse, Ängste und Freuden kennenzulernen ist ein erster Schritt, um sie zu Jüngern von Jesus zu machen. Dieser Schritt ist unumgänglich, um eine Vertrauensbasis aufzubauen. Diese Grundlage brauchen wir, um die nächsten Schritte einzuleiten und nicht am Ziel des Auftrags vorbeizutreiben.

Mein Fokus
Bei der Berufung der Jünger stellen wir erstaunt fest, dass die Fischer ihre Netze und ihre Väter einfach so verliessen. Ihr zukünftiger Meister Jesus hatte bereits im Vorfeld Vertrauen aufgebaut und als die Aufforderung zur konkreten Nachfolge kam, zögerten sie keinen Moment. Während drei Jahren begleiteten sie ihn und lernten von ihm. Es waren auch viele andere Leute um Jesus herum, die ebenfalls etwas von ihm wollten. Er machte sie gesund, nährte sie und zeigte ihnen seine Liebe und Barmherzigkeit. Auf zwölf seiner Nachfolger gab er jedoch besonders acht und führte sie nach dem ersten Vertrauensschritt durch die weiteren Etappen, bis sie bevollmächtigt den Auftrag weiterführen konnten. Er lehrte sie: …

«IN»
… Gemeinschaft untereinander zu pflegen und sich gegenseitig zu erbauen.

«UP» 
… eine innige Beziehung zu Gott dem Vater zu pflegen und das Vertrauen auf ihn zu setzen.

«OUT» 
… sich nach aussen zu richten, um das Reich Gottes aufzubauen und weitere Menschen in die Jesus-Nachfolge zu führen.

Meine Umsetzung
Ist der Auftrag, Jünger zu machen, immer noch erdrückend? Als ich erkannte, dass der Heilige Geist tatsächlich in mir wohnt, mich führt und immer wieder leise daran erinnert, nahe bei der Lehre und der Liebe von Jesus zu bleiben, beflügelte der Befehl mich plötzlich! Ich muss heute nicht mehr die ganze Welt retten, sondern darf mich wie Jesus um eine begrenzte Anzahl Jünger kümmern. Ich darf sie als Freunde bezeichnen und sie sind alle in einem anderen Stadium der Jesus-Nachfolge. Wir legen zusammen erreichbare und messbare Ziele fest und freuen uns zusammen an der zurückgelegten Wegstrecke. 

Die Frage an dich: Wer sind deine «Zwölf», in die du investieren willst? Wie sieht dein Umfeld aus? Was interessiert deinen Nächsten?

Diese Gedanken sind «nichts Neues unter der Sonne», es sind keine neuen Fragen, aber wir wollen alles dafür tun, den Auftrag von Jesus würdig weiterzuführen.