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Thema | Mai 2021


Der Heilige Geist – eine andere Person, aber der gleiche Gott wie der Vater und der Sohn

Wenn man sich im christlichen Umfeld umhört, kommt es einem manchmal so vor, als ständen dem Gläubigen drei verschiedene Götter zur Auswahl: der Vater für die schrift­orientierten Christen, der Heilige Geist für die erlebnisorientierten Christen und der Sohn für die, welche sich zwischen Lehre und Wundern nicht festlegen wollen. Viele spannende Fragen stellen sich hier, doch dieser Artikel soll ein Appell sein zu einem trinitarischen Zugang zu dem einen und einzigen Gott, der alle drei Personen mitberücksichtigt. Er soll uns helfen, eine gute Balance zu finden, wenn wir uns mit dieser Thematik befassen.



Der Heilige Geist ist Gott
Unter der Annahme, dass der Heilige Geist der gleiche Gott ist wie der Vater und der Sohn, stellt sich als Erstes die Frage, wer Gott überhaupt ist. Die bequemste Antwort darauf lautet: «Gott ist Gott.» Und sofern man dabei Gott nicht mit den eigenen Vorstellungen verwechselt, ist dieser Zirkelschluss gar nicht einmal so schlecht: Das deutsche Wort «Gott» lässt sich nämlich – wie schon Martin Luther im «Grossen Katechismus» festgestellt hat – auf das Wort «gut» zurückführen. Und tatsächlich ist Gott der absolut Gute: derjenige, von dem allein alles, was gut ist, herkommt. Gott ist es, der alles wunderbar erschaffen hat (1. Mose  1; Psalm 139), der allein in die Freiheit führt (2. Mose 20,2–3) 

und der alles Leben zur Entfaltung bringt (1. Mose 1,27). Gott ist der, wie er sich selbst in der Bibel offenbart hat. Satan hingegen, der Feind Gottes, ist der absolut Böse.

Dieses Prinzip war dem nicht-jüdischen Umfeld des Alten und Neuen Testaments gänzlich fremd. Es kannte aus der Mythologie zwar Hunderte von verschiedenen Gottheiten, nur diese beiden nicht: den per se guten Gott und Satan, den gefallenen Engel, den absolut Bösen, wie sie in der Bibel den Menschen offenbart werden. Entsprechend waren alle ihre Götter letztlich nur eine Selbstspiegelung des Menschen mit durch und durch menschlichen Eigenschaften: Sie essen, sie schlafen, sie fahren weg, sie sind untreu usw. Entsprechend scharf fällt in der Bibel die Kritik an diesen «unsterblichen Menschen» aus (siehe Jesaja 44,15–17 HFA). 

Die Bibel lehrt uns, dass Gott der ganz Andere ist. Entsprechend ist auch der Heilige Geist zunächst nicht das, was sich jeder einzelne von uns unter ihm vorstellt, sondern der ganz Andere. Wer er ist und wie wir ihn erfahren können, soll uns im weiteren Verlauf dieses Artikels beschäftigen.

Der Heilige Geist  ist kreativ, weil Gott kreativ ist
Damit dieser absolut gute und ganz andere Gott für uns Menschen erfahrbar werden konnte, musste sich Gott selbst den Menschen offenbaren. Doch wie soll sich der unfassbar Grosse für uns kleine Menschen fassbar machen? Gott hat es getan, indem er sich als Schöpfer durch die Schöpfung offenbart hat. Nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung erinnert Gott den Menschen durch seine Schöpfung daran, dass es einen Schöpfer geben muss. Denn aus nichts kommt nichts.

Damit ist gleichzeitig ein Massstab gegeben, an dem sich das Wirken von Gottes Geist erkennen lässt: So wie der Vater und der Sohn schöpferisch sind, ist auch der Geist kreativ mitschaffend. Und so wie der Vater und der Sohn eine Ordnung geschaffen haben, schafft auch der Geist nicht das Chaos, sondern Schönheit und Ordnung im Leben.

Überlege dir...

 … wo du in deinem Leben auf Schönheit und Ordnung triffst. Freue dich darüber, denn darin zeigt sich Gottes Geist! Pflege diese Schönheit ganz bewusst und erhalte Gottes Ordnung!

Der Heilige Geist macht uns frei, weil Gott frei macht
Gott ist ein Gott, der in die Freiheit führt: Das war sein Plan mit Adam und Eva, die über die Schöpfung herrschen sollten. Das blieb sein Plan, auch nachdem der Mensch sich von Gott abgewandt hatte und unter die Herrschaft der Sünde geraten war. Am deutlichsten sichtbar wird Gottes Wille zur Freiheit am Beispiel seines Volkes, das er aus der ägyptischen Gefangenschaft in das verheissene Land geführt hat (2. Mose).

Vollkommene Freiheit ist für den Menschen jedoch nicht in einer äusserlichen Freiheit erfahrbar, sondern in der Wiederherstellung der lebendigen Beziehung zu Gott. Denn biblische Freiheit ist nicht primär eine «Freiheit von etwas», sondern eine «Freiheit zu etwas». Und diese Freiheit wurde allen, die an Jesus Christus glauben, geschenkt durch den Heiligen Geist. Er befreit uns zu Gott, indem er beginnt, unsere sterblichen Glieder lebendig zu machen, dass sie wieder das sein dürfen, wozu Gott sie als sein Ebenbild geschaffen hat (Römer 8).

Überlege dir...

… was deine Lebensziele sind. Das höchste Ziel ist die Anbetung Gottes, denn dazu hat Gott uns geschaffen. Alles, was Gottes Geist in dir lebendig macht, hat die Schöpfungsabsicht Gottes zum Ziel und ehrt IHN.

Der Heilige Geist  schafft Gemeinschaft, weil Gott Gemeinschaft schafft
Ohne Gemeinschaft gibt es keine Liebe, Freude und Frieden, keine Geduld, Freundlichkeit und Güte und auch keine Treue, Nachsicht und Selbstbeherrschung (Galater 5,22). Damit also Gott vor der Erschaffung der Welt der Vollkommene sein konnte, musste er der dreieinige Gott sein: vollkommen in der Gemeinschaft (Lukas 3,22), vollkommen in der Wahrheit (Johannes 14,6) und vollkommen in der Liebe (1. Johannes 4,8). Doch Liebe bleibt niemals für sich allein. Liebe sucht stets den Nächsten. Deshalb hat Gott im Menschen diesen Nächsten zu seiner eigenen Gemeinschaft geschaffen (1. Mose 1,26): «Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei!»

Dieselbe Gemeinschaft will weiterwachsen als eine Gemeinschaft, die auf Gott ausgerichtet ist. Und an dieser wachsenden Gemeinschaft wird wiederum Gottes Geist erkennbar, weil er sie wirkt.

Überlege dir...

 … wann du zuletzt eine auf Gott ausgerichtete Gemeinschaft gepflegt hast. Nicht Geselligkeit erfüllt dein Leben, sondern diese Frucht bringende Gemeinschaft. Je gegenwärtiger sie ist, desto gegenwärtiger ist Gottes Geist in dir.

Der Heilige Geist  setzt Massstäbe, weil Gott Massstäbe setzt
Ausgangspunkt dieses Artikels war die Frage: «Wer ist Gott?» Über die deutlichste Antwort auf diese Frage haben wir bis jetzt noch nicht gesprochen: Durch niemanden hat Gott nämlich selbst eine klarere Antwort gegeben als durch seinen Sohn Jesus Christus, der in diese Welt gekommen ist. Er ist der Massstab, an dem wir erkennen, was von Gott ist. An ihm sollen die Menschen lernen, wer Gott ist, und an ihm sollen die Menschen lernen, was wahre Menschlichkeit bedeutet. Durch sieben messianische Wunder, sieben Ich-bin-Worte und sieben Lehrgespräche bestätigt Jesus im Johannes-Evangelium, dass er tatsächlich Gott ist.

Entsprechend kann vom Heiligen Geist nur das sein, was im Sinn und Geiste von Christus geschieht. Und entsprechend ist Gottes Geist in nichts deutlicher erfahrbar als in einem Leben der kompromisslosen Jesus-Nachfolge.

Überlege dir...

 … bei allem, was du sagst und tust, ob es dem Sinn von Christus entspricht. Überall, wo das gegeben ist, darfst du gewiss sein, dass du in dem Moment das Wirken des Geistes Gottes erlebst.

Buch­empfehlungen zum Thema

  • Dominik Klenk, Roland Werner, Bernd Wannen­­wetsch (Hg.), Yoube.
    Evangelischer Jugend­katechismus.
    Basel: Fontis Verlag, 2015.
  • Dominik Klenk, Urs Stingelin, Roland Werner (Hg.),
    Der christliche Glaube für Entdecker.
    Die Basics des Glaubens für Kinder und ihre Eltern.
    Basel: Fontis Verlag, 2020.