Loading...

Mission | Mai 2019


Gratwanderung

Gesundes Familienleben und Schulbildung in Papua-Neuguinea auf einen Nenner zu bringen, ist nicht einfach. Der Grund: Es gibt nicht überall Schulen. Was ist nun wichtiger, die Kinder unter eigener Obhut und christlichem Einfluss aufwachsen zu lassen, oder sie wegzugeben und bei anderen Leuten wohnen zu lassen, damit sie Schulbildung geniessen können? – mit dem Risiko, dass sie schlecht beeinflusst oder sogar sexuell missbraucht werden!


Landepiste Owena


Besuch bei Familie Junias Oriabu
Brrrrrrrrrrrrr Trgttttrgt trgttt trgt… Unter lautem Getöse setzt das einmotorige Kleinflugzeug auf der steilen und holprigen Landepiste von Owena im Hinterland des Lamarigebiets auf. Vor uns steht eine mehrtägige Besuchsreise, auf der wir die weit verstreuten christlichen Gemeinden entlang des Piora- Gebirges besuchen wollen. Unser erstes Ziel ist Tainoraba, das wir nach einer dreistündigen Wanderung bergauf und -ab auf schmalem Pfad erreichen. Wir staunen nicht schlecht, als unsere Begleiter sagen, diese Strecke sei der tägliche Schulweg der Kinder von Tainoraba. Zum Nachtquartier sind wir bei der Familie des ortsansässigen Pastors Junias Oriabu untergebracht. Vor dem Schlafengehen beten wir noch gemeinsam für den erkrankten Buben von Junias. Er muss heftige Fieberschübe gehabt haben und schläft im Elternzimmer. Ich mache mir Sorgen um ihn. In Tainoraba hat es zwar direkt neben dem Pastorenhaus einen Krankenposten, aber der Diensthabende ist der Arbeit schon mehrere Wochen ferngeblieben. Wahrscheinlich ist ihm dieses Dorf zu abgelegen.

Gratwanderung

Wo gehen die Kinder zur Schule?
Junias‘ Söhne gehen zur Zeit gar nicht zur Schule. Die älteren zwei Mädchen, Wendi (11. Klasse) und Hedy (9. Klasse) sind wegen ihrer Schulbildung schon mehrere Jahre nicht mehr zu Hause. Junias und seine Frau hoffen auf eine Versetzung an einen Ort, wo es eine Schule hat. Doch viele andere Pastoren sind in der gleichen Situation. Schon zweimal hat Junias mich angerufen. Er ist besorgt, dass seine erwachsenen Töchter jetzt bei Leuten wohnen müssen, zu denen er nicht hundertprozentiges Vertrauen haben kann. Dabei muss man wissen, dass Missbrauch und sexuelle Ausbeutung in solchen Situationen nicht selten sind. Ich konnte ihm bis jetzt auch keine befriedigende Antwort geben, habe ihm aber gesagt, Sicherheit – damit meine ich innere und äussere Sicherheit – stehe über der Schulbildung. Er solle doch in Erwägung ziehen, unter den momentanen Voraussetzungen die Kinder entweder nach Hause zu nehmen oder in eine unserer Mädchenschulen zu schicken. Doch die Hoffnung, dass die Kinder einmal eine gute Anstellung kriegen und die Eltern im Alter versorgen können, ist gross.

Familie Junias