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Thema | Mai 2018


Erziehung: Der Langzeitschaden der Passivität

Wenn ich uns Väter an etwas erinnern möchte, dann an dies: Passivität betrifft nicht nur unser eigenes Leben, sondern auch und vor allem das der nächsten Generation!



Von schlechten Vorbildern lernen
Etwas vorweg: Auch wenn dieser Beitrag Hinweise und Aufforderungen enthält, geht es mir nicht um Tipps und Tricks. Unsere Handlungen entspringen unseren Gedanken. Und diese Überlegungen sind Teil einer inneren Landkarte. Das Wichtigste ist deshalb nicht die Frage nach dem Wie, sondern nach dem Wozu. Was treibt mich als Vater an? Welche Gedankengebäude stehen dahinter? Der erste Kampf findet im Denken statt.

In meinem beruflichen Leben habe ich gerade von einem passiven Vorgesetzten viel gelernt. In der Bibel gibt uns der Gott, der wirklich da ist (auch in Ihrem und meinem Leben), Beispiele in die Hand, die uns Vätern zur Warnung dienen. Der Hohepriester Eli ist ein solches Exemplar. Lesen Sie 1. Samuel 1–4 in Ruhe aus der Perspektive Elis durch und überlegen Sie sich: Wie reagierte er? Was wird von seinem Inneren berichtet?

Ein Führer, der sich der Verantwortung in seiner Familie verweigerte
Von Eli habe ich gelernt, dass sich die Passivität eines Vaters langfristig verheerend auswirkt. Geistlich gesehen geht es um Unterlassungssünden. Wir fehlen nicht nur darin, indem wir Gottes Gebote übertreten, sondern (vielleicht noch mehr) darin, dass wir Notwendiges unterlassen (vgl. Jakobus 4,17). Eli diente vor der Aufrichtung des Königtums in Israel 40 Jahre als Richter (1. Samuel 4,18). Er stand damit über Jahrzehnte in einer doppelten Verantwortung als oberster Priester und zugleich oberste gerichtliche Instanz. Als Väter haben wir von Gott Verantwortung erhalten für unsere Familien (vgl. 5. Mose 6,5–7; Epheser 6,4; 1. Petrus 3,7). Gelernt: Ich kann mich nicht aus meiner Verantwortung als Vater winden. Ich kann sie zwar verweigern, das entbindet mich jedoch nicht.

Eli beobachtete eine weinende Frau und unterstellte ihr ohne Nachfragen, dass sie betrunken war (1. Samuel 1,12–14). Es blieb nicht das einzige Fehlurteil (3,5+6). Gelernt: Als Vater fälle ich laufend Urteile. Doch habe ich erst genau hingehört und nachgefragt?

Eli griff bei seinen erwachsenen Söhnen nicht ein, als diese Ehebruch trieben und sich an den Opfern bereicherten (1. Samuel 2,12–17; vgl. 2,29; 3,13). Gelernt: Wer nicht frühzeitig Unrecht bei den Kindern unterbindet, steht langfristig machtlos da.

Eli hörte gerüchteweise von den schweren Sünden seiner Söhne. Statt einer genauen Untersuchung beliess er es bei einer schwachen Ermahnung (vgl. 1. Samuel 2,23–25). Er trug die Last seiner Passivität mit sich herum. Ich frage mich: Weshalb hat er seinen Gott nicht um Hilfe angerufen und seine Schuld bekannt? Gelernt: In Gefühlen baden ohne dass daraus Handlungen folgen, führt zu dauernder Spannung.

Impuls 1
Bauen wir die Gewohnheit des genauen Zuhörens auf. Dazu gehört auch, dass ich meinen Kindern mitteile, wenn ich gedanklich nicht präsent bin und dann wieder zuhöre, wenn es mir möglich ist.

Eli und David: Gemeinsamkeit und Unterschied
David fehlte ebenfalls als Vater. Das führte in seiner Familie zu katastrophalen Folgeereignissen (in 2. Samuel 13–15 erhalten wir Hinweise dazu, wie sich das schrittweise aufgebaut hat). Die Erklärung in einem Satz: «Sein Vater hatte ihn (den ältesten noch lebenden Sohn von David) nie betrübt zeit seines Lebens» (1. Könige 1,6). Trotzdem sagt Paulus über ihn, dass er in seiner Generation nach dem Willen Gottes gedient hat (Apostelgeschichte 13,36). Worin liegt der Unterschied zwischen David und Eli? Gott gab ihm ein weiches Herz. David tat immer wieder Busse (z. B. Psalm 32,1–5).

Impuls 2
Beobachten wir uns dabei, ob wir unsere Kinder durch unsere Fragen über Dinge entscheiden lassen, die in unseren Verantwortungsbereich gehören. Das ist ein verhängnisvoller Rollenumtausch. Kinder wollen geführt werden.

Drei Hinweise zur Selbstführung
Als Mann bin ich zuerst für die Pflege meiner eigenen Seele verantwortlich. Wenn sie nicht genährt ist, wird es meine Familie unmittelbar spüren. Nehmen wir Versagen nicht zum Anlass, uns herauszureden oder in Selbstmitleid zu baden. Wir fallen – und stehen durch Gottes Gnade wieder auf! Als Ehemann trage ich Verantwortung für das geistliche Wohlergehen meiner Frau (Epheser 5,23). In meiner Ehe sind dies: gemeinsames Gebet am frühen Morgen, Lesen der Bibel und regelmässige Gespräche. Hierbei gilt: Lieber kurz als gar nicht. Herrschaft beginnt mit Selbstbeherrschung. Väter, kämpfen wir um sexuelle Reinheit in den Gedanken! Verfehlungen in diesem Bereich wirken sich gerade durch das Doppelleben auf die nächste Generation aus. Wir geben auch unsere Haltung weiter.

Impuls 3
Bauen wir tägliche Gewohnheiten mit den Kindern auf. Wichtige Gewohnheiten sind Gehorsam und Aufmerksamkeit. Fordern wir diese vor allem für Schlüsselsituationen ein.

10 Fragen (auch) für Väter mit heranwachsenden Kindern

  1. Bete ich für jedes einzelne meiner Kinder?
  2. Sehen sie, dass ich von Stunde zu Stunde auf Christus angewiesen bin?
  3. Was teile ich mit ihnen über das, was ich aus Gottes Wort empfange?
  4. Was entnehmen die Kinder von meinem Umgang mit meiner Frau?
  5. Bin ich interessiert an ihrem inneren Wohlbefinden?
  6. Denke und handle ich im Umgang mit ihnen in der Langzeitperspektive (Entfaltung ihres Potenzials)?
  7. Spreche ich mit ihnen über Fallen und Versuchungen?
  8. Spreche ich das an, was ich als charakterliche Herausforderung beim Einzelnen ansehe?
  9. Nehmen sie bei mir Freude und Dankbarkeit wahr?
  10. Sehen sie mich auch trauern und weinen?