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Mission | März 2019


Freundschaft



Betroffen ...
Letzten Sommer unterhielt ich mich bei einem Spaziergang mit einer Freundin aus dem Nahen Osten. Sie lebt seit achtzehn Jahren in der Schweiz.
Plötzlich sagte sie: «Weisst du, was das Schlimmste für mich war? Da kommst du in die Schweiz und es gibt SchulkollegInnen, die sagen dir: ‹Was machst du eigentlich hier? Du lebst auf unsere Kosten.›»
Weiter erklärte sie: «Du hast so viel verloren, bist daran dich neu zu sortieren, irgendwie klarzukommen. Du vermisst deine Grossfamilie und die Feste mit ihnen. Die Sprache ist neu. Du versuchst dich zu integrieren und Freunde zu finden. Wenn du mal zur Kirche mitgehst, bist du zwar willkommen, doch gleichzeitig fühlst du dich ausgestellt. Besuchst du eine Moschee, spürst du, dass du für die Menschen dort keine echte Muslimin bist, weil du ohne Kopftuch erscheinst.
Das einzige, was dir wirklich bleibt, ist der Halt in Gott. Dann kommen die Christen und sagen dir: Mit deinem Gott (Allah) stimmt auch etwas nicht! Der letzte Strohhalm, an dem du dich festgeklammert hast, entgleitet dir ...
Sie reden dir die Ohren voll von einem Jesus, der zu ihrem Glauben gehört. Ihn kannst du unmöglich in den muslimischen Glauben integrieren. Sämtlicher Boden schwindet unter deinen Füssen. Es ist wirklich zum Verzweifeln!»

So weit die Worte meiner Freundin.

Moschee in Herat, Afghanistan.

Ich war tief betroffen! Und ich möchte, dass wir Christen uns diese beiden Sätze einmal auf der Zunge zergehen lassen: «Das einzige, was dir wirklich bleibt, ist der Halt in Gott. Dann kommen die Christen und sagen dir: ‹Mit deinem Gott (Allah) stimmt auch etwas nicht!›»
Können wir uns vorstellen, wie entwurzelt sich diese Menschen fühlen müssen? Ich glaube nicht.
Wie gehen wir mit dieser Herausforderung um? Jemand formulierte es so: «Schlag nicht das Religionsgebäude deines muslimischen Freundes zusammen! Baue nebendran ein Haus, das schöner und einladender ist. Irgendwann wird er von sich aus umziehen wollen.»
Meine Erfahrung ist, dass sich muslimische Freunde auch eine Zeitlang in beiden Gebäuden parallel aufhalten werden. Das ist okay. Gott hat Zeit, und wir sollten sie auch haben!
«Wir hatten euch so sehr ins Herz geschlossen, dass wir bereit waren, euch nicht nur Gottes gute Botschaft weiterzugeben, sondern unser eigenes Leben mit euch zu teilen» (1. Thessalonicher 2,8 NeÜ).