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Thema | Juni 2021


Sünde? – bei uns doch nicht!

In dieser und den vergangenen vier Ausgaben der «aktuell» wurden verschiedene Gebiete aufgegriffen, in denen Sünde sich im Leben eines Gläubigen einnisten will. Unzufriedenheit, Stolz, Ungeduld, Neid und Eifersucht oder Richten gehören zu den Dingen, die versuchen, auch auf unser Leben überzugreifen. Oder sind wir zu stolz, um uns mit dieser Wahrheit konfrontieren zu lassen? In diesem Artikel stellen wir uns der Herausforderung, wie wir mit Sünde in der Gemeinde – die eine Gemeinschaft der Gläubigen ist – umgehen sollen.




Etwas ist klar. Das Ideal wäre eine Gemeinde, wo die Sünde abwesend ist. Die Realität weicht jedoch mehr oder weniger von diesem Ideal ab. Dies darum, weil wir als Gläubige einerseits persönlich in einem Heiligungs- und Reifeprozess stehen, andererseits uns in einem Glaubenskampf befinden. Nichtsdestotrotz wollen wir einander ermutigen, dieses Ziel Gottes mit uns nicht aus den Augen zu verlieren, dass wir einmal als gereinigte Braut Jesus entgegengehen können. Gott sei gedankt, dass er uns zu diesem herrlichen Ziel verhelfen wird (1. Korinther 15,57).

Sünde akzeptieren?
In der Februarausgabe stand in der Einleitung zu dieser Serie die prägnante Aussage: «Sünde ist nicht akzeptierbar, Punkt.» Warum? Weil Sünde Beziehung zerstört und so tief- und weitreichende Konsequenzen mit sich zieht, musste Jesus Christus sein Leben lassen. Dies war nötig, um uns Menschen wieder mit dem Vater im Himmel versöhnen zu können, damit wir nicht zum ewigen Getrenntsein von Gott verdammt bleiben. Wenn Gott Sünde akzeptiert hätte, dann hätte Jesus sein Leben nicht lassen müssen. Wenn Gott Sünde nicht akzeptieren kann, dann können auch wir es nicht als Menschen, die mit Gott in Beziehung stehen. Und doch hat sich die Sünde nicht verabschiedet, sondern lauert vor der Türe (1. Mose 4,7). Was nun?

Sünde tolerieren?
Wenn wir den 1. Korintherbrief durchlesen, so wird einerseits deutlich, dass Sünde in der Gemeinde in Korinth damals präsent war – leider. Und ich meine, sie ist auch heute noch präsent – leider! Paulus sah dieser Realität in die Augen, sprach die vorhandenen Problemfelder in der Gemeinde in Korinth an und scheute sich in einigen Fällen sogar nicht davor, uneinsichtige Gemeindemitglieder aus der Gemeinschaft auszuschliessen. 

Der erfahrene Gemeindegründer Dietrich Schindler weist darauf hin, dass Sünde in der Gemeinde nicht toleriert werden kann: «Wenn in einer Gemeinde Sünde geduldet wird, werden Gebete hohl, Erfahrungsberichte über Gottes Wirken kraftlos, die Atmosphäre kalt.» Sünde tolerieren, als abgeschwächte Form des Akzeptierens, stellt ebenso wenig eine Option dar. Und trotzdem – vielleicht gerade wegen dieser Tatsache – ist die Gemeinde auch ein Ort, wo wir Sünde ablegen dürfen, vor dem Kreuz Busse tun können und befreit nach Hause gehen können. So erleben wir, dass wir einander in der Gemeinde im Prozess des «Nicht-Tolerierens» von Sünde fördern. So werden unsere Gebete wieder kraftvoll und wir erleben eine warme Atmosphäre.

Sünde verharmlosen?
In der Gesellschaft wird das Wort Sünde mehr und mehr anders gefüllt. Man spricht von Umweltsünden, Gesundheitssünden, Modesünden usw. und verharmlost einerseits den biblischen Begriff «Sünde» und andererseits lernt man mit «Sünde» zu leben. 

Vor einer solchen Abstumpfung des Gewissens sind auch wir als Gläubige nicht verschont, sondern dadurch umso mehr herausgefordert, in Bezug auf Sünde im biblischen Verständnis der Schärfe des Wortes Gottes keine Spitze zu brechen und keine Klinge abzustumpfen und zu verharmlosen. Gott akzeptiert und toleriert Sünde nicht und ebenso wenig verharmlost er sie.

Sünde im Früh­stadium erkennen!
Als Nachfolger von Jesus sind wir durch den Heiligen Geist ausgerüstet, die Sünde im Frühstadium zu erkennen. Die Sünde tritt immer zuerst in Form einer Versuchung an uns heran. Die Versuchung selbst – ­

sei es ein richtender Gedanke, ein neidischer Blick, ein hochmütiges Gefühl – ist noch keine Sünde. Martin Luther soll gesagt haben: «Ich kann nicht verhindern, dass Vögel über meinem Kopf fliegen, aber ich kann wohl verhindern, dass sie auf meinem Kopf ein Nest bauen.» Genau darum geht es! In diesem Frühstadium der Versuchung gilt es zu widerstehen und dadurch der Sünde das Einnisten zu verunmöglichen.

Sünde benennen!
Nun ist es aber traurige Realität, dass Sünde damals in der Gemeinde in Korinth vorhanden war. Im Galaterbrief musste Paulus klärend aufzeigen, was aus dem verdorbenen menschlichen Herzen hervorgeht (Galater 5,19–21) und was demgegenüber von Gott gewirkt ist (Galater 5,22–23). 

In den vorangehenden Serien wurden sündige Elemente wie Unzufriedenheit, Stolz, Neid oder Rechthaberei aufgegriffen. Auch Zornausbrüche oder Intrigen – sei es in der Familie, in der Verwandtschaft oder Gemeinde – hätten noch erwähnt werden können. Dies alles ist nicht zu rechtfertigen, sondern zu benennen, damit die Sünde sich bei uns persönlich und in der Gemeinde nicht einnisten kann. Und wenn es doch passiert ist?

Neid und Eifersucht | Stolz

Sünde bekennen!

    Wo durch unser Leben Sünde in die Gemeinde hineingetragen und angehäuft wurde, haben wir persönlich Gott um Vergebung zu bitten, weil wir damit den Leib Christi beschmutzt haben und schuldig geworden sind.

      Welche Kraft könnte in unserer Gemeinde wohl freigesetzt werden, wenn jeder von uns aufrichtig betet: «Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern» (Matthäus 6,12)? Ich bin überzeugt, dass das helle Licht des Evangeliums zu einer neuen, gestärkten Leuchtkraft durchbrechen und Gottes Wirkungskraft auch in unseren Gemeinden sich neu offenbaren könnte.

      Sünde überwinden!
      Dies gilt es zu erkennen: Sünde unter uns Gläubigen hemmt das Wirken des Heiligen Geistes. Jenes Wirken, auf das wir so sehr angewiesen sind. Der Heilige Geist rüttelt uns treulich auf, damit Sünden dieses Licht nicht hemmen und verdunkeln. Und dann hilft uns Jesus, der Sünde entgegenzutreten und diese überwinden zu lernen (Römer 6,12). 

      Die Sünde überwinden wir beispielsweise, indem wir uns in unserer Identität in Christus verankern lassen und unser Bewusstsein stärken, dass unser Vater im Himmel uns nichts mangeln lässt. Gott sättigt unser Leben und bei ihm finden wir Zuflucht. Dies bewahrt vor Stolz, Neid, Überheblichkeit usw.

      Was aber, wenn ich mir keiner Sünde bewusst bin? Das mag aufrichtig von dir so empfunden werden. Mein Geheimtipp: Bete immer mal wieder das Gebet aus Psalm 19,14–15: «Halte mich vor dem Hochmut zurück, dass er nie über mich herrscht! Dann stehe ich ohne Tadel da und werde vor grossem Unrecht bewahrt. Mögen die Worte, die ich sage, und die Gedanken, die ich fasse, dir gefallen, Jahwe, mein Fels und mein Erlöser» (NeÜ).

      Ja, Gott will uns durch seinen Heiligen Geist helfend zur Seite stehen, dass wir in der Auferstehungskraft von Christus die Sünde überwinden und persönlich und als Gemeinde hell leuchten zur Ehre Gottes des Vaters.