Loading...

Mission | Juli/August 2020


Empty-Nest-Syndrom

Wenn die Kinder erwachsen werden und von zuhause ausziehen, beginnt auch für die Eltern ein herausfordernder Prozess. Jahrelang haben sie sich hingebungsvoll für ihre Kinder engagiert und plötzlich entfällt diese Aufgabe, die neben Sorgen auch viel Freude und Sinn gebracht hat. Das kann bei Eltern zu einer persönlichen Krise führen, die auch als Empty-Nest-Syndrom (Leeres-Nest-Syndrom) bezeichnet wird.


Undak Wan Palme mit Ihren Kindern Sipora und Sebastian


Empty-nest Syndrom bei den Einheimischen
Gibt es das hier in PNG auch, in dieser Gesellschaft, wo die Nähe, die Dorfgemeinschaft so stark gelebt wird? Die Antwort lautet: Ja, das gibt es. Denn auch hier ist es nicht mehr überall wie früher. Viele Jugendliche müssen teilweise schon ab der 9. Klasse auswärts wohnen, um die Sekundarschule besuchen zu können. Einige wenige können in der weit entfernten Hauptstadt Pt. Moresby oder in der besser erreichbaren Stadt Goroka studieren. Als Student(inn)en leben sie in einem ganz anderen Umfeld weit weg von zuhause und können selten heim zur Familie. Zwar haben viele Leute auch hier ein Mobiltelefon – aber regelmässiger Kontakt kostet doch relativ viel. Auch der Datenverkehr ist teuer, sodass auch Facebook, Whatsapp & Co. nicht so einfach zu haben sind wie bei uns. Zudem ist der Empfang in abgelegenen Gebieten oft lückenhaft.

Frau Undak Wan Palme, eine Tochter von Bruder Kapak, dem ehemaligen Präsidenten unserer Gemeinde, wurde schon nach zirka drei Ehejahren von ihrem Mann verlassen. Sie hat ihre beiden Kinder die ganze Zeit alleine erzogen und grösstenteils deren Ausbildung finanziert. Der Sohn Sebastian arbeitet in Lae, die Tochter Sipora hat kürzlich Galong, einen Mann aus Siwisiwi, geheiratet. Siwisiwi liegt sehr abgelegen in der Provinz Ost-Sepik. Es schmerzt Undak, dass sie bald kaum mehr Kontakt mit ihrer Tochter haben wird, da dort kein Mobilfunkempfang möglich ist. Aber anderseits freut sie sich, dass ihre Tochter für Jesus in diesem für das Evangelium neu erschlossenen Gebiet leben wird.

Während der letzten Jahre hat Undak sich auch die Pflege ihrer bettlägerigen Mutter Kerei mit ihrem Vater und anderen Geschwistern geteilt. Nun erwarten sie, dass Kerei bald abscheiden wird. In den vergangenen 20 Jahren hat Undak treu in der Gemeindearbeit (Jugendarbeit) hier in Kugark mitgeholfen.

Wie geht sie nun damit um, bald allein zu sein? Es beschäftigt sie sehr und macht sie traurig. Sie schöpft Kraft aus Liedern wie «Gott ist noch auf dem Thron und denkt an uns, seine Kinder …», oder sie rechnet mit dem Wort aus Psalm 121,1–2: «Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.» 

Empty-nest Syndrom bei den Missionaren
Und wie geht es uns Missionaren? Wir hatten fünf Töchter, alle sind in diesem Teil der Welt geboren und Christine als Ehefrau und Mutter war die letzten rund 30 Jahre vor allem mit dem Haushalt und der Erziehung unserer Töchter ausgelastet. Nun sind wir seit etwas mehr als einem Jahr wieder hier in PNG – ohne Kinder. Eins ums andere ist ausgeflogen, und am Schluss sind auch wir noch weggeflogen! Besonders für mich, Christine, war es ein harter Abschied. Manchmal fühlt man sich elend und einsam. Die Nähe der Kinder und Enkel fehlt und schmerzt. Darum schätzen wir es umso mehr, wenigstens über die sozialen Medien Kontakt zu pflegen mit ihnen. Das hilft etwas darüber hinweg. Wir dürfen uns gegenseitig auch täglich im Gebet unterstützen. Unser himmlischer Vater sorgt für sie und uns viel besser, als wir selber es tun können.