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Thema | Juli/August 2020


Ehe – Spiegel der Liebe Gottes

Die Ehe ist kein Einfall der Menschen. Sie ist auch keine Erfindung unserer Gesellschaft, sondern ein grossartiges Geschenk Gottes. Dieses Geschenk soll uns Menschen glücklich machen. Gleichzeitig gibt uns Gott in der Ehe das Privileg, etwas von seinem einzigartigen Wesen zu widerspiegeln. 



Das himmlische Vorbild
Eine der ersten Aussagen, die Gott über uns Menschen gemacht hat, lautet: «Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.» Und als Schlussfolgerung lesen wir im selben Vers: «Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht» (1. Mose 2,18). Gott hat Mann und Frau gleichwertig, aber unterschiedlich geschaffen, damit sie sich gegenseitig ergänzen und im Miteinander eine unzertrennbare Einheit bilden. So bringt die Ehe etwas vom Wesen Gottes zum Ausdruck, zu dessen Bilde wir Menschen geschaffen wurden (1. Mose 1,27). In Gott fliessen drei Personen mit unterschiedlichen Aufgaben und verschiedenen Rollen in vollkommener Harmonie ineinander. Eine Einheit, die geprägt ist von selbstloser und bedingungsloser Liebe. Das Glück des einen ist das Glück der beiden anderen. 

Gottes Design der Ehe
Gleich zu Beginn hat Gott als Designer der Ehe die Gebrauchsanleitung für die engste menschliche Beziehung mitgeliefert. «Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch» (1. Mose 2,24). Die Reihenfolge ist entscheidend. Erst wenn ein Mann und eine Frau sich von ihrem Elternhaus abgenabelt haben und auf eigenen Beinen stehen, können sie gemeinsam eine neue Einheit bilden. Die Eltern zu verlassen heisst nicht, sie zu ignorieren oder keine Zeit mehr mit ihnen zu verbringen. Es bedeutet zu realisieren, dass mit der Ehe eine neue Familie gegründet wird und diese neue Familie die höhere Priorität gegenüber der alten Familie haben muss.

Anhangen bedeutet sich durch ein Treueversprechen willentlich und fürs ganze Leben zu binden – zusammenzukleben. Man verbringt viel Zeit miteinander und schenkt sich ungeteilte Aufmerksamkeit. Durch dieses enge Miteinander-Unterwegssein entsteht Herzensnähe. 

Nach dem Verlassen und sich Binden kommt nun noch das «ein Fleisch sein» dazu. Zwei Personen verschmelzen zu einer Person. Sex ist der tiefste Ausdruck einer lebenslangen Hingabe an einen anderen Menschen. Und weil dieser Liebesakt uns auf allen Ebenen des Menschseins berührt, machen wir uns dadurch auch verletzlich. Deshalb brauchen wir als Paar das gegenseitige Treueversprechen als Schutz.

Tiefe Kratzer im Spiegel
Die Fehlentscheidung von uns Menschen, uns über Gottes Anweisungen hinwegzusetzen und unser Leben selber in die Hand zu nehmen (1. Mose 3), hat weitreichende Folgen – auch für die zwischenmenschlichen Beziehungen. Statt das Wohl des anderen im Auge zu behalten, rücken das eigene Wohl und die eigenen Bedürfnisse ins Zentrum. Wir machen unseren Partner für unser Glück zuständig. Die selbstbezogene Begierde nimmt den Platz der selbstlosen Liebe ein. Wir wollen vielmehr einen Vorteil für uns herausholen als dem anderen in Liebe zu dienen. Wünsche werden zu Forderungen oder Bedingungen.

Im Gegenüber wird nicht mehr primär die Ergänzung, sondern vielmehr die Konkurrenz gesehen. Indem man den anderen abwertend kritisiert, will man selber besser dastehen. Statt in Konfliktsituationen wieder den Weg zueinander zu suchen, blockt man ab und zieht sich zurück. Jeder versucht, sich so gut es geht zu rechtfertigen und die Schuld abzuschieben.

Die Gemeinschaft, die als Quelle des Glücks gedacht war, verwandelt sich in eine Zwangsjacke.

Repariert statt weggeschmissen
Am ursprünglichen Plan Gottes für die Ehe hat sich jedoch nichts geändert. Aus Liebe zu uns Menschen hat Gott eine Möglichkeit geschaffen, uns aus der destruktiven Macht des Alleingangs zu befreien. Dank Jesus können wir innerlich ganz neu und auch auf eine ganz neue Art liebesfähig werde. Wenn wir uns Gott anvertrauen, wird die Herrschaft Gottes in unserem Leben wiederhergestellt. Nun kann auch eine von Versagen gezeichnete Ehe zu ihrer ursprünglichen Rolle zurückfinden. Mann und Frau haben ein optimales Übungsfeld, aus ihrer Ich-Herrschaft auszubrechen und das Miteinander, so wie Gott es sich ursprünglich gedacht hat, wieder zu entdecken. Diese abenteuerliche, lebenslange Entdeckungsreise fordert von beiden Partnern ein liebevolles Arbeiten an der Beziehung. Dabei ist es wichtig, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren: Wir sollen in der selbstlosen Liebe wachsen und unsere Beziehung nach dem himmlischen Vorbild leben. So wird die Ehe immer mehr das Herz Gottes widerspiegeln. 

Da wir als Ehepaar auf uns alleine gestellt mit dieser Vision ziemlich überfordert sind, ist es von grösster Wichtigkeit, Gott als Reisebegleiter mit dabei zu haben. Die Ehe ist nämlich nicht als Zweier- sondern vielmehr als Dreierbund gedacht.

Gott seinen Platz geben
Die Ehe ist sozusagen ein Beziehungsdreieck, wobei Gott der erste Partner sowohl vom Mann wie von der Frau sein will. Nur er kann die tiefsten Bedürfnisse unserer Seele stillen, weil er die Quelle der Liebe ist. Wenn wir ihm den Platz an der Spitze unseres Ehedreiecks geben, stellt er sich verbindend zwischen uns. Er wird immer dahin wirken, dass die Liebe weiter oder wieder fliessen kann. Gerade in schwierigen Momenten der Beziehung können wir dann unser Herz bei ihm ausschütten. Er versteht uns und tröstet uns. Er wird uns auch auffordern, unserem Zorn nicht Raum zu geben, dem Partner immer wieder zu vergeben, den Frieden zu suchen, sich beim Gegenüber zu entschuldigen und den anderen weiterhin bedingungslos anzunehmen.

Beziehungsdreieck

Der Weg «obenherum»
Im Dreieck eröffnet sich uns zudem ein zweiter Kommunikationsweg zu unserem Ehepartner: Der Weg «obenherum». Alles, was den anderen herabwürdigen oder hilflos machen könnte, ihn anschuldigt oder nach meinem eigenen Bild zu verändern versucht, sollten wir Gott sagen. Bei ihm darf ich meine Gedanken und Gefühle ungefiltert platzieren. Was der Liebe gemäss ist, was dem Austausch von Anteilgeben und -nehmen dient und was den anderen erfreut, ermutigt und aufbaut, das gehört in die direkte Kommunikation mit unserem Partner. Natürlich wird es trotzdem immer wieder zu dem einen oder anderen Reibungspunkt in der Beziehung kommen. Wichtig ist, dass wir lernen, diese Konflikte gemeinsam zu lösen und fair auszudiskutieren. 

Das Beziehungsdreieck zeigt noch ein weiteres Geheimnis auf: Je näher beide Partner am Herzen Gottes sind, desto näher ist sich auch das Ehepaar. Deshalb wollen wir immer wieder ganz bewusst die Nähe Gottes suchen. Wenn unsere Seele durch die Beziehung mit Jesus «gesättigt» ist, brauchen wir nicht mehr nach Liebe für uns zu suchen, sondern können uns unserem Ehepartner öffnen und für ihn da sein. So lernen wir mehr und mehr beste Freunde füreinander zu sein und uns gegenseitig als Geschenk Gottes zu sehen, das es zu feiern und wertzuschätzen gilt.