Loading...

Thema | Juli / August 2022


Welche Autorität hat ein Christ?

Wir wollen uns Gedanken machen, was für eine Autorität wir in Christus erhalten haben. Was meinen wir, wenn wir von dieser Autorität reden? Was lehrt die Bibel dazu? Wie sollen wir unsere Autorität ausüben?



Die Autorität von Jesus Christus
Das Neue Testament proklamiert Jesus Christus sowohl als Herrn der Gemeinde als auch der ganzen Welt. Er sitzt zur Rechten des Vaters, der ihm alle Gewalt im Himmel und auf Erden übergeben hat. In dieser Autorität regiert er jetzt seine Gemeinde und wird einmal die ganze Welt richten und alle Menschen werden eines Tages seine absolute Herrschaft anerkennen. Die Gläubigen sind sein Eigentum und werden deshalb oft als Knechte oder Sklaven Christi bezeichnet, die seine Autorität willig annehmen und sich ihr unterordnen.

Die missverstandene Autorität
Gleichzeitig sind Gläubige mit Christus vereint, von seinem Heiligen Geist erfüllt und mit einem besonderen Auftrag ausgestattet. Dazu gehört selbstverständlich auch eine bestimmte Autorität, die nötig ist, um diesen Auftrag ausführen zu können. Manchmal wird jedoch über die Autorität der Gläubigen auf eine Weise gesprochen, als habe Christus seine Autorität den Gläubigen komplett übertragen. So wurde ich schon dazu aufgefordert, durch meine Autorität in Christus dem Wetter zu gebieten. In einem anderen Fall wurde ich ermahnt, ich solle meine Nöte und Sorgen nicht bittend zum Vater bringen, stattdessen solle ich diese Probleme in der Autorität, die mir gegeben ist, selbst lösen. Ein anderes Mal wollte mir jemand beibringen, meine Autorität in Christus in finanziellen Fragen einzusetzen: Ich könne dank meiner Autorität in Christus den Engeln befehlen, mir so viel Geld zu bringen, wie ich nötig habe. Doch so missverstehen wir die Autorität der Gläubigen – sie bedeutet nicht, dass wir tun sollen, was nur Gott kann. Vielmehr bedeutet sie, dass wir als Knechte der höchsten Majestät mit einem bestimmten Auftrag und mit den entsprechenden Vollmachten in diese Welt gesandt sind.

Die Autorität über die Macht der Sünde
Eine zentrale Autorität des Gläubigen besteht gegenüber der Macht der Sünde. Der Gläubige ist aus der Knechtschaft der Sünde erlöst worden und wird nun vom Heiligen Geist bestimmt. Das bedeutet, dass wir in unserer Verbundenheit mit Christus die Kraft besitzen, der Versuchung zu widerstehen und das Böse zu überwinden.

Die Autorität zur Verkündigung des Evangeliums
Der Missionsbefehl von Jesus zeigt uns eine weitere Autorität, die wir als Gläubige besitzen. Dort befiehlt Jesus seinen Aposteln und im weiteren Sinn seiner ganzen Gemeinde, in die ganze Welt zu gehen und alle Menschen zu Jüngern zu machen. Das bedeutet, dass jeder Gläubige die Autorität hat, überall die Frohe Botschaft bekannt zu machen und zum Glauben aufzufordern. Diese Autorität haben wir direkt von Jesus und sie kann von keinem Menschen und keiner weltlichen Macht eingeschränkt werden. Selbst da, wo die Evangelisation verboten ist, macht sich ein Christ nicht schuldig, wenn er dieses Verbot missachtet.

Die Autorität zur Gründung von lokalen Gemeinden
Der Missionsbefehl ist aber nicht dadurch erfüllt, dass die Menschen das Evangelium gehört haben. Vielmehr sollen diejenigen, die dem Evangelium glauben, getauft und gelehrt werden. Das zeigt uns eine weitere Autorität auf, die die Gläubigen besitzen: Sie sind berechtigt, lokale Gemeinden zu gründen. Wir haben das Vorrecht, Menschen zu taufen und sie im Glauben zu unterweisen. Dazu gehört auch, dass die Gläubigen die Autorität haben, nach den biblischen Massstäben Älteste einzusetzen und angemessene Gemeindeordnungen festzulegen.

Haben wir Autorität über Dämonen, Krankheiten und Naturgewalten?
In Matthäus 10,1 lesen wir, dass Jesus seinen Aposteln Macht gab, unreine Geister auszutreiben und Krankheiten zu heilen. Gilt dies auch heute für alle Gläubigen? Selbstverständlich wirkt Gott auch heute Grosses und nimmt dafür auch die Gläubigen in seinen Dienst, indem er individuell Gaben des Geistes schenkt. Doch bevor wir diesen Bericht über diese umfassende Autorität schnurstracks auf uns selbst anwenden, sollten wir zuerst innehalten und diese Frage im Licht der gesamten Schrift beurteilen. Zunächst müssen wir einmal festhalten, dass Jesus diese Vollmacht dort seinen zwölf auserwählten Aposteln verliehen hat, die auch namentlich aufgeführt sind und die eine einzigartige Rolle im Reich Gottes einnehmen. Durch die Hände der Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder (Apostelgeschichte 5,12), aber nicht unterschiedslos durch alle Gläubigen. Und selbst die Apostel verfügten nicht über die gleiche Vollmacht, wie Jesus sie hatte: Während Jesus den Sturm stillen konnte, wurde Paulus mehrmals schiffbrüchig. Und während Jesus alle Menschen gesund machen konnte, musste Paulus seine Mitarbeiter manchmal krank zurücklassen (2. Timotheus 4,20). Schliesslich fällt auf, dass in den Lehrtexten des Neuen Testamentes, wo Gläubige wie du und ich unterwiesen werden, uns nicht gesagt wird, dass wir die Kranken selber heilen sollen. Vielmehr sollen die Kranken mit sich beten lassen im festen Glauben, dass Gott diese Gebete auch heute erhört (Jakobus 5,14). Wir werden auch nicht gelehrt, dass wir Macht über die Naturgewalten haben, und wir finden auch keine Instruktionen, wie Dämonen ausgetrieben werden sollen.

Aber das Neue Testament zeigt uns tatsächlich eine Autorität, die wir gegenüber dem Teufel und seinen Dämonen besitzen: Als Gläubige können und sollen wir dem Teufel widerstehen (1. Petrus 5,9, Jakobus 4,7). Doch das bedeutet nicht, dass wir buchstäblich in die Schlacht gegen den Teufel und seine Dämonen ziehen. Dem Teufel zu widerstehen, bedeutet schlicht, fest im Glauben zu bleiben. Wir können über die Macht des Teufels triumphieren, wenn wir unerschütterlich unserem himmlischen Vater vertrauen. Wo wir uns seinem wahren Wort und seinem Willen unterordnen, widerstehen wir den Lügen des Teufels und er muss von uns fliehen.