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Thema | Juli / August 2021


Eltern nach dem Herzen Gottes

Erziehung ist nicht in erster Linie eine Methode oder eine Kunst, zu der man eine spezielle Begabung benötigt. Erziehung ist ein grossartiges Mandat Gottes an uns Eltern. Und er selbst ist uns als Vater das perfekte Vorbild.



Eine gross(artig)e Aufgabe
Es war Gottes Idee, dass Menschen nicht vollendet auf die Erde kommen, sondern dass sie in einer Familie aufwachsen und von Vater und Mutter erzogen werden. Gott hat uns Eltern also das Mandat, die Aufgabe, übertragen, unsere Kinder in seinem Sinn zu prägen und fit fürs Leben zu machen. Als seine Mitarbeiter ringen wir mit ihm zusammen um sein oberstes Erziehungsziel: Gott will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1. Timotheus 2,4). Gott will auch das Herz unserer Kinder gewinnen. Er will, dass sie ihr Vertrauen ganz auf ihn setzen und erkennen, dass nur er ihre wahren Bedürfnisse stillen kann und sie in der Gemeinschaft mit ihm zutiefst glücklich werden können. Für uns Eltern gibt es keinen besseren Weg, um dieses Ziel zu erreichen als uns in der Erziehung an Gott als einzig perfekten Vater zu orientieren und von ihm zu lernen.

Gott als Vater …
Gott, der Schöpfer des ganzen Universums, stellt sich uns Menschen als Vater vor. Durch den Glauben an ihn werden wir zu seinen Kindern (Johannes 1,12; 1. Johannes 3,1). Dem Thema Elternschaft kommt dadurch eine grosse Würde zu. Wir sind als Eltern zu etwas berufen, worin wir ihn widerspiegeln können. Es geht also in der Erziehung hauptsächlich darum, unseren Kindern das Vaterherz Gottes zu zeigen und mit ihnen so umzugehen, wie Gott es auch mit uns tut. Als Eltern richten wir unseren Blick immer wieder bewusst auf Gott, lernen von ihm und lassen unser Herz von seinen Vatereigenschaften prägen.

… liebt bedingungslos
Immer wieder bringt Gott in der Bibel zum Ausdruck, dass er seine Kinder liebt ­(Johannes 16,27), dass er sich von ganzem Herzen über sie freut und jubelt, wenn er an sie denkt (Zefania 3,17), dass sie unendlich wertvoll sind in seinen Augen (Jesaja 43,4) und dass absolut nichts auf dieser Welt sie von seiner Liebe trennen kann (Römer 8,39). Gott liebt uns ungeachtet unseres Aussehens, unserer Talente, unserer Fähigkeiten und unserer Leistungen. Und auch wenn wir ihn durch Fehlverhalten traurig machen und verletzen, bleibt er uns zugewandt und ist bereit, uns in seiner Liebe zu vergeben.

… hat das Sagen
Gott gibt uns Menschen im Wort Gottes von Anfang an die Spielregeln bekannt. Diese Regeln dienen nicht der Machtausübung. Sie fördern vielmehr gelingendes Leben und schützen es. Gott will, dass wir ihm vertrauen und seine Anweisungen befolgen in der festen Überzeugung, dass er uns liebt und immer unser Wohlergehen im Blick hat. Gott erwartet also von seinen Kindern Gehorsam. Aber nicht ein Gehorsam aus Angst vor Strafe oder Ablehnung, sondern ein Gehorsam, der aus einer tiefen Vertrauensbeziehung wächst.

… erzieht zur Eigenverantwortung
Gott setzt Adam und Eva in einen Garten mit einem Baum mit verbotenen Früchten. Mit diesem Baum gab Gott uns Menschen von Anfang an die Möglichkeit, gute und falsche Entscheidungen zu treffen. Dies zeigt, wie wichtig unserem liebenden Vater die Freiheit ist. Ohne die Freiheit, ihn zurückzuweisen, haben wir auch keine Freiheit, uns bewusst ihm zuzuwenden. Gott will, dass wir Menschen die Fähigkeit entwickeln, Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen und nicht Opfer der Umstände zu werden. Er will uns unterstützen, gute Entscheid­ungen zu treffen, aber er trifft die Entscheidungen nicht für uns.

… erspart uns nichts
Gott setzt die ersten Menschen in einen Raum der Freiheit und lässt sie Entscheidungen treffen. Er macht ihnen aber auch deutlich, dass ihre Entscheidungen Konsequenzen haben. Gott als Vater räumt seinen Kindern nicht alle Steine aus dem Weg. Er erlaubt es, dass sie Früchte ihres Verhaltens ernten, weil er sie liebt und sie erzieht. ­Immer wieder bietet er sich an, ihnen beim Lösen der Probleme zu helfen, aber er löst sie nicht für sie.

… gibt immer eine neue Chance
Gott ist ein barmherziger Vater (Lukas 6,36). Seine Liebe zu uns ist unerschütterlich. Das zeigt Jesus im Gleichnis vom verlorenen Sohn sehr deutlich auf. Der Vater empfängt seinen heimkehrenden Sohn, der heftig gegen ihn rebelliert hat, der ihn zutiefst verletzt hat, der auf ganzer Linie versagt hat und eigene Wege gegangen ist, mit offenen Armen. Er ist nicht nachtragend. Er ist bereit, ihm von Herzen zu vergeben und ihn wieder bei sich aufzunehmen.

… steht zu seinem Wort
Gott ist absolut verlässlich (Psalm 33,4). Was er sagt, das tut er auch. Er hält alle seine Versprechen. Diese Zuverlässigkeit vermittelt Geborgenheit und Vertrauen.

… konfrontiert Sünde
Gott steht unserem Fehlverhalten nicht gleichgültig gegenüber. Er schaut nicht weg und wischt nichts unter den Teppich. Er will nicht, dass wir unter unserem Niveau leben. Wir haben einen Vater, der Schuld so ernst nimmt, dass er seinen geliebten Sohn am Kreuz sterben liess. Andererseits zeigt uns gerade die Grösse dieses Opfers, wie sehr sich unser Vater gewünscht hat, uns zu vergeben und alles Zerstörerische aus unserem Leben auszuräumen.

… spricht Identität zu
Ausgesprochene Worte haben Kraft. Quer durch die Bibel begegnen wir einem Gott, der seinem Volk oder einzelnen Menschen Identität zuspricht: «Ihr seid die Pflanzung des HERRN» (Jesaja 61,3). «Du bist mein Volk, ich bin euer Gott» (Jeremia 30,22). «Ihr seid eine königliche Priesterschaft, Gottes heiliges Volk» (1. Petrus 2,9). Gott spricht aus, wer wir in seinen Augen sind, auch wenn diese Aussage vielleicht nicht gerade zu unserem momentanen Verhalten passt.

Die wichtigste Ressource
All diese Vatereigenschaften Gottes lassen sich in einem Wort zusammenfassen: Liebe. Und zwar nicht die Liebe, die in uns geweckt wird, weil uns das Gegenüber etwas zu bieten hat, sondern die sich schenkende Agape-Liebe. Aber genau diese Liebe finden wir Eltern nicht in uns selber. Vielmehr stellen wir immer wieder unser Unvermögen fest. Nein, wir sind keine perfekten Eltern. Aber durch Jesus Christus haben wir Zugang zur Quelle dieser einzigartigen Liebe – zum einzig perfekten Vater. Wenn wir uns täglich von unserem himmlischen Vater lieben lassen und in enger Verbindung mit ihm leben, so fliesst uns diese göttliche Liebe von ihm zu. Und diese Liebe allein befähigt uns Eltern, mit unseren Kindern immer mehr so umzugehen, wie er mit uns umgeht.