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Mission | Februar 2020


Mission im Kontext der afrikanischen Grossfamilie

Seit ein paar Tagen ist das neue Nachbarhaus bewohnt. Bei Gelegenheit heissen wir den Hausherrn willkommen, stellen uns vor und fragen nach seiner Familie. «Meine Familie lebt in meinem Heimatdorf», erklärt er freundlich. Da tritt eine junge Frau mit zwei kleinen Buben aus dem Haus, die er uns als seine Frau und Kinder vorstellt.


Geschichtentreffen im Fulani Haus


Unterschiedliches Familienverständnis
Einmal mehr merken wir, dass unser Verständnis von Familie anders ist als das der Menschen in unserem Umfeld. Familie beschreibt für sie ihre Herkunft, ihre Grossfamilie, ihren Clan. Ehen sind dagegen oft Zweckgemeinschaften auf Zeit, um für Nachwuchs zu sorgen. Die Solidarität mit der Herkunftsfamilie wird weit mehr gewichtet als die Beziehung zum Partner.

Notvolle Beziehungen
Dies und viele andere Faktoren wie überhöhte Erwartungen, mangelnde Kommunikation, räumliche Distanz aus beruflichen Gründen, Polygamie und Untreue führen leider dazu, dass viele Ehen nicht gut funktionieren oder zerbrechen. So schnell wie geschieden wird, wird oft auch wieder geheiratet. Nur wenige Kinder in unserem Umfeld wachsen in einer Familie mit Vater, Mutter und Geschwistern auf. Nach einer Trennung der Eltern leben sie oft im Familienhaus des Vaters unter der Aufsicht des Grossvaters oder eines älteren Onkels. Dort bekommen sie zwar Arbeit und hoffentlich genug zu essen, aber wenig Nestwärme. Dies führt wiederum dazu, dass sie oft schon sehr früh Liebe und Annahme beim anderen Geschlecht suchen.

Wenn Menschen sich zu Jesus wenden, bringen sie meist einen Rucksack mit negativen Erfahrungen im Bereich Beziehungen mit. Christliche Ehen und Familien, die ihre Beziehungen nach Gottes Prinzipien gestalten wollen, gehen durch grosse Belastungsproben. Umso ermutigender ist es, wenn sichtbar wird, dass mit Gottes Hilfe Veränderung möglich ist.

Mütter von unterernährten Kindern lernen wie sie mit lokalen Zutaten ausgewogene Mahlzeiten zubereiten können – eine Investition in das Wohl der Familie

Familie = Identität
Trotz allen Herausforderungen hat die Familie einen sehr wichtigen Stellenwert im Leben der Menschen. Sie gibt ihnen Zugehörigkeit, Orientierung und Identität. Wichtige Entscheidungen werden vom Oberhaupt der Familie getroffen. An kulturellen und religiösen Anlässen vertritt der Hausvater die Familie. Am Einzelnen ist es, sich den Verantwortlichen mit Respekt zu unterordnen, und seinen Beitrag zum Wohl der Familie zu leisten.
Zweifelsfrei hat dieses System der Grossfamilie seine Vorzüge und Berechtigung, gerade in einer Gesellschaft ohne genügende Altersvorsorge und Krankenversicherung. Traurige Tatsache ist jedoch, dass die Auswirkungen des Sündenfalls auch hier verheerende Spuren hinterlassen haben, und gegen jedes Idealbild und jede Behauptung, jeder vor allem den eigenen Vorteil sucht.

Was bedeutet das für die Missionsarbeit?
Erfahrene Missionare empfehlen, das Evangelium in diesem Kontext zuerst Personen in leitenden Funktionen zu bringen. Wenn diese sich für den Glauben öffnen, ermöglicht dies all ihren Angehörigen den Zugang zur guten Botschaft. Dies tun wir, indem wir wöchentlich dem Chief und seinen Ältesten, dem Hausvater einer Fulani Familiengemeinschaft und einigen anderen Gruppen und Familien eine Geschichte aus der Bibel abspielen und erklären.

Was aber, wenn sich z.B. Schüler der islamischen Sekundarschule, in der wir unterrichten, zu Jesus wenden möchten? Wenn sie deshalb von ihrer Familie verstossen werden? Wer gibt ihnen Orientierung und Identität? Wer sorgt für ihre Ausbildung?

Überkonfessioneller Anlass für Christen

Gottes Familie – die Gemeinde
Dort kommt die Wichtigkeit der Familie Gottes, der Gemeinde zum Tragen. Es braucht Lehre und gemeinsam gelebte Jüngerschaft. In diesem Bereich gibt es noch viel Raum zum Wachsen. Sowohl unter den ghanaischen Christen als auch unter uns Missionaren mit unserer individualistischen Prägung und unserem Bedürfnis nach Rückzug.

Beten wir, dass Gott viele Nanumbas – Familien und Individuen – aus dem Volksislam zu sich ruft und eine starke Nanumba-Glaubens-Familie entsteht, die auf Gottes Wort gegründet ist, gemeinsam zu Christus dem Haupt hin wächst und sich gegenseitig aufbaut in der Liebe.