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Mission | Dezember 2021 / Januar 2022


Die Geschichte einer Reise

Es gibt Abenteurer. Wagemutige. Aus Leidenschaft Reisende. Auch wenn ich zu keiner dieser Kategorie gehöre, packe ich meinen Koffer immer wieder und mache mich auf den Weg, auf eine Reise mit vielen unbekannten Faktoren. Mein Ziel ist, so eigenartig es auch tönen mag, immer dasselbe: mein Zuhause.


Öffentliche Bushaltestelle


Zehn Minuten vor Abreise
Natürlich habe ich kein Ticket nach «Zuhause» gebucht. Meine Reiseroute führt mich diesmal über Lae nach Kimbe in Neubritannien. Die vom Festland nördlich gelegene grosse Insel ist seit ca. zwei Jahren ein eigenständiger Gemeindekreis der EBC Gemeinde, den ich regelmässig besuche, wie ich das auch jetzt wieder im Sinn habe. Ehrlich gesagt würde ich gerade lieber zu Hause bleiben – gereist bin ich in diesem Jahr bereits genug. Längst ist der Reiz am Neuen vorbei, was bleibt ist der Auftrag. Mein kleiner Koffer ist gepackt, ich suche noch die restlichen Hilfsmittel für den Erziehungskurs zusammen, checke noch ein letztes Mal meine E-Mails und … Eine E-Mail-Nachricht flattert herein: Der Flug wurde auf einen Tag später verschoben, ungeachtet der Tatsache, dass ich dadurch den Start meines Kurses verpasse.

Es geht los
Nachdem ich bei der andern Fluggesellschaft doch noch einen Flug ergattern konnte, mache ich mich nun endlich auf den Weg. Auf der Bushaltestelle werde ich sofort von einem Dutzend junger Männer umringt. Jeder will mich in «seinen» Bus ziehen. Dankend lehne ich die aufdringlichen Angebote ab, weil ich mir meinen Bus lieber selber aussuchen möchte. Da ich durch die Umbuchung am Morgen Zeit verloren habe, sind die frühen Busse bereits alle abgefahren. Mir bleibt nichts anderes übrig als zu warten. Warten, bis sich der Bus langsam mit Leuten füllt. Die obligaten kleinen Werberunden mitmachen, um Leute aufzugabeln, die auch noch nach «LaeLaeLae»mitkommen möchten. Knapp drei Stunden später geht’s los auf eine Fahrt, die mir inzwischen längstens bekannt ist. Im Voraus unbekannt ist der Fahrstil. Ist es ein Fahrer, der ständig und ohne das Tempo zu mindern auf der Gegenfahrbahn fährt? Oder einer, der überall Zwischenstopps macht und sich unendlich viel Zeit lässt?

Zwischenstopp Kimbe
Nach mehreren Stunden Fahrt erreichen wir schliesslich den Flughafen in Lae. Kurz vor dem Einchecken erfahre ich, dass auch dieser Flug ersatzlos gestrichen wurde. Mir bleibt nichts anderes übrig, als eine Nacht in Lae zu verbringen und am nächsten Tag zu fliegen.

In Kimbe hat der Kurs bereits begonnen. Klement, der hauptverantwortliche Pastor, hat die Herausforderung angenommen und auch meine Inputs, hauptsächlich «heisse Themen», übernommen. Die Gespräche in den Zwischenzeiten zeigen mir, dass die Kursteilnehmer mitten in den Erziehungsthemen angekommen sind. Es ging offensichtlich auch ohne mich. Trotzdem bin ich willkommen, versuche dort einzuhaken, wo die andern stecken geblieben sind, und in einem schönen Miteinander geht der Kurs weiter. Die Resonanz auf die Kursinhalte bestätigt wieder einmal, wie brennend das Thema ist und wie viel Dankbarkeit so ein Kurs auslösen kann.

Teilnehmer des Kurses in Kimbe

Weiterreise
Nach Abschluss des Kurses bereite ich mich auf die Predigt des Sonntagsgottesdienstes vor, treffe mich mit den Gemeindeleitern, nehme teil an ihren Sitzungen und Gesprächen. Versuche zuzuhören, mich ohne aufdringlich zu sein einzubringen. Ich fühle mich als Teil vom Ganzen, wie in einer grossen Familie. Mit meinen Brüdern und Schwestern erlebe ich viel Schönes, höre auch traurige Geschichten. Es gibt auch tote Zeiten, die ich sinnvoll zu nutzen versuche. Das sind die kurzen Momente, in denen meine Gedanken nach Hause wandern und ich gerne mal schnell mit meiner Frau einen Kaffee trinken würde.

Endlich zu Hause!
Weiter in Port Moresby wartet ein ähnliches Programm. Nachdem ich zwei Wochen unterwegs war, komme ich endlich wieder zu Hause an. Ich freue mich auf meine Kinder, auf meine Frau, auf mein sauberes Bett. Wie immer betrete ich das Haus im «falschen» Moment. Meine Frau kämpft sich gerade mit unserm Junior durch die Hausaufgaben, während es in der Pfanne auf dem Herd brodelt. Das Telefon klingelt und ich muss nach einer flüchtigen Begrüssung kurz weg. Trotzdem: Ich bin wieder zu Hause, da wo ich eigentlich hingehöre.

Die Bibel lehrt uns, dass wir Wartende sind. Aber keine passiv Wartenden. Unser Warten gleicht vielmehr einer Reise, in der wir unseren Fokus erwartungsvoll auf das Reiseziel richten. Auf unser Zuhause, den Himmel. Und auf die Wiederkunft unseres Herrn. Ob unser ursprünglicher Reiseplan aufgeht oder nicht, ist nicht entscheidend. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass unser Zuhause bereit ist. Den falschen Zeitpunkt zur Ankunft gibt es nicht. Bist auch du bereit?