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Thema | Dezember 2019 / Januar 2020


Wie Gottes Gnade uns findet

Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, wird mir immer mehr bewusst, wie wunderbar Gottes Wirken in meinem Leben und gerade bei meiner Bekehrung war. Ich staune und danke ihm für das Geschenk der Rettung, welches ich weder gesucht noch verdient habe.



Meine Kindheit
Ich kann mich erinnern, dass in meiner Kindheit meine Mutter jeweils am Abend vor dem Schlafengehen mit mir gebetet hat. Ein Kindergebet, welches sie vermutlich noch von ihrer Kindheit kannte. Ansonsten beschränkte sich unser geistliches Leben in der Familie auf vereinzelte Kirchenbesuche zu besonderen Anlässen. Auch das gemeinsame Abendgebet verlor sich, als ich in die Schule kam. Den Konfirmandenunterricht der Kirche besuchte ich nur im Blick auf die in Aussicht stehenden Geldgeschenke. So verwundert es nicht, dass ich in meiner Teenagerzeit in verschiedenen Lebensbereichen ungünstige Richtungen einschlug. Schlechter Medienkonsum, regelmässige Diebstähle und erste Erfahrungen mit Alkohol und Drogen gehörten zu dieser Zeit. Geprägt von den Werten der Zeit hatte ich das Ziel, Manager und reich zu werden.

Wie Gott mir ein Fenster zum Himmel öffnete
Nach der Matura beschloss ich, zusammen mit einem guten Freund eine Weltreise zu machen, bevor wir an die Universität gehen würden, um unsere Karrierepläne umzusetzen. In Australien besuchten wir eine ausgewanderte Freundin meiner Grossmutter. Durch sie begegneten wir ihrem Sohn, der uns erzählte, wie Jesus ihn aus einem Leben der Drogensucht und Teufelsanbetung befreit und zu einem glücklichen Menschen gemacht habe. Der Frieden, der in seinem Blick lag und der so gar nicht zu seinen hässlichen Tätowierungen passte, bestätigte seine Worte. Er erklärte uns das Evangelium, welches ich so noch nie gehört hatte. Und nun öffnete mir Gott bildlich gesprochen ein Fenster zum Himmel und gab mir die Möglichkeit, auf seinen Rettungsruf zu antworten. Ich, der ich in Sünde lebte, fromme Menschen verspottete und Gott lästerte, begann plötzlich Fragen zu Gott und der Welt zu stellen. In meinem Kopf begannen viele Puzzleteile ihren Platz zu finden und Sinn zu geben. Schliesslich betete ich eines Abends vor dem Einschlafen zu Jesus Christus, bat ihn um Vergebung meiner Sünden und bat ihn, als Herr in meinem Leben die Kontrolle zu übernehmen. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, spürte ich einen tiefen Frieden in mir und wusste bestimmt: «Jetzt habe ich einen Vater im Himmel, jetzt kommt es gut.»

Gott liess sich von mir finden, obwohl ich ihn nicht suchte
Je länger ich gläubig war, umso mehr stellte ich mir die Frage: «Warum hat Gott wohl gerade mir das Herz aufgetan?» Ich habe ihn ja nicht gesucht. Niemand aus meiner ganzen Verwandtschaft hat für meine Rettung gebetet. Wissentlich hatte ich nie Kontakt zu gläubigen Menschen. Durch das Lesen der Bibel hat sich für mich in den vielen Jahren eine Antwort herauskristallisiert, welche mich zum Staunen bringt:
Gottes liebende Gnade arbeitete schon in meinem Leben und an meinem Herzen lange bevor ich mich schliesslich bekehrte.

Gottes Gedanke und Wille für jeden Menschen
Gott als Schöpfer hat den Menschen geschaffen, um mit ihm eine liebevolle Gemeinschaft zu pflegen. Adam konnte dieses harmonische Miteinander geniessen, bevor der Sündenfall alles zerstörte und Elend und Chaos brachte. Von nun an trennte die Sünde den Menschen von Gott. Doch Gottes Gedanke hat sich nicht geändert. Nach wie vor wünscht er sich Gemeinschaft mit jedem Menschen, will ihn segnen und seine wahren Bedürfnisse stillen, wie er es auch bei Adam getan hatte. Mit dem stellvertretenden Tod von Jesus hat Gott die Möglichkeit geschaffen, dass ein Mensch überhaupt mit ihm versöhnt und damit gerettet werden kann (2. Korinther 5,19). Und Gott will retten, und zwar alle Menschen, wie Paulus Timotheus bezeugt: «Das ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserem Heiland, welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen» (1. Timotheus 2,4).

Gottes gnädiger Ruf an alle Menschen
Weil Gott jeden Menschen liebt und retten will, macht er Schritte auf jeden Menschen zu und ruft ihn zu sich. Doch wie kann ein geistlich toter Mensch (Epheser 2,1) Gottes Stimme überhaupt hören? Dieses grosse Wunder kann nur Gott tun. Sein Wort allein hat die Kraft, Tote zum Leben zu erwecken und taube Ohren und Herzen zum Hören zu befähigen. Kein Mensch kann von sich aus seine Gesinnung ändern, sich bekehren oder glauben – es braucht das übernatürliche Wirken des Heiligen Geistes. Gott ruft, überführt, erleuchtet und befähigt den Menschen. Gott öffnet dem hoffnungslos verlorenen Menschen ein Gnadenfenster und ruft ihn zur Umkehr. Meistens geschieht dieser Ruf, wenn Gottes Wort weitergegeben wird (Römer 10,13– 17). Manchmal offenbart sich Gott in seiner Souveränität auch anders. Aber immer macht Gott den ersten Schritt und schenkt dem Menschen die Möglichkeit, auf sein Rufen zu antworten. Unser liebender Vater schenkt jedem Menschen solche Gelegenheiten (Hiob 33,14–29). Wenn der Sünder das Evangelium von der Gnade Gottes hört, wird ihm auch die Möglichkeit geschenkt, umzukehren und Gottes Gnade im Glauben anzunehmen.

Die Antwort des Menschen
Gott ruft jeden Menschen mit klarer Stimme: «Tut Busse!», «Bekehrt euch!», «Lasst euch versöhnen mit Gott!» Er ruft, damit der Mensch antworten kann. Mit seiner Antwort trägt jeder Mensch auch die Verantwortung für seine Seele. Der Heilige Geist schenkt jedem Menschen die Möglichkeit, im Glauben Gottes Rettung zu ergreifen oder abzulehnen, sein Wort anzunehmen oder zurückzuweisen (1.Thessalonicher 1,6; Apostelgeschichte 7,51). Daraus entsteht Verantwortung für sein Handeln und die Basis für ein gerechtes Gericht.

Gottes Wirken schafft Dankbarkeit und Vertrauen
Wir wollen Gott von Herzen dankbar sein, dass er uns in unserer Verlorenheit gesucht hat und uns in seiner Gnade begegnet ist. Er gab uns die Möglichkeit, auf sein Rufen zu antworten. Er hat durch Jesu Sterben am Kreuz die Grundlage für unsere Rettung gelegt und in seiner Gnade Schritte zu dir und mir getan. Er hat uns errettet und uns tiefen Frieden und ewiges Leben geschenkt. Für dieses grosse Wunder geben wir Gott allein die Ehre und vertrauen, dass er in seiner Grösse, Gnade und Liebe auch weiter an unseren Familienangehörigen, Freunden und Mitmenschen wirkt, die noch fern von ihm leben.