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Gemeinde | April 2022


Vom Beten – Folge 3

Der Vater kümmert sich auch um menschliche Bedürfnisse! «Unser Vater im Himmel! … Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.»




Das Lehrgebet von Jesus ist ähnlich wie die zehn Gebote aufgebaut. Der erste Teil beschäftigt sich mit Gott, der zweite um die menschlichen Bedürfnisse.

Und ist uns inzwischen aufgefallen, dass in diesem Gebet ein Wort fehlt? «Ich» suchen wir vergeblich, «unser» statt «mein» steht da. Wer zu Gott betet, tut dies als Teil einer Gemeinschaft. Die Beziehung untereinander hat einen Einfluss auf diejenige zu Gott. Das kommt deutlich in der Bitte um Vergebung zum Ausdruck.

Unser tägliches Brot gib uns heute
Jesus geht auf unsere menschlichen Bedürfnisse mit einem kurzen Satz ein. «Täglich» kann auch die Bedeutung von «nötig» haben. Das leitet zu Genügsamkeit an, aber auch zu einer Erwartungshaltung: Gott versorgt, unser Vater im Himmel gibt Brot auf Erden! Wir lernen zu vertrauen und werden in eine wunderbare Freiheit geführt! Ohne einen sichtbaren Vorrat zu haben, ist es trotzdem langfristige Absicherung. Und ich bete nicht, dass «ich» genügend habe, sondern, dass Gott uns gemeinsam versorgt. Das ist eine deutliche Absage an eine individualistische Haltung oder ein egoistisches Hamstern.

Vergeben
Jesus richtet nun den Blick auf die geistliche Existenz. Vergebung ist für Leben und Gesundheit der Seele so nötig wie das Brot für den Leib. Im Fokus der Bitte steht persönliche Schuld, darüber jeder Mensch über sein ganzes Leben Vergebung braucht. Nicht nur Tatsünden nach den zehn Geboten, sondern auch liebloses Verhalten etc. stehen zwischen Gott und dem Menschen. Aber die gute Botschaft ist: Jesus hat uns vergeben (z.B. Kolosser 3,13)!

Indem wir beten, werden wir persönlich in die Pflicht genommen: Ich bekenne Schuld und göttliche Vergebung ist abhängig von der Haltung gegenüber dem Nächsten. Wie ernst es Jesus damit meint, zeigen weitere Bibelstellen im Matthäusevangelium (6,14–15; 18,21–35). Ich darf mich freuen, Gott hat mir meine ganze Schuld vergeben! Deshalb will auch ich vergeben.