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Mission | April 2021


Vergebung, ganz praktisch

Folgt also dem Vorbild Gottes nach – als von ihm geliebte Kinder (Epheser 5,1).




Mariam ist eine junge muslimische Frau, Anfang Zwanzig. Seit ein paar Jahren lebt sie in der Schweiz. Vor einiger Zeit sagte sie zu mir: «Ich kann es nicht erklären, doch ich spüre einfach ganz genau, dass Gott mich liebt!» 

Mariams Familie ist mit einer Schweizer Familie gut befreundet. Zu dieser Familie gehört ein junger, dynamischer, sehr gut aussehender Mann. Schon bald beginnt es zwischen diesen beiden jungen Leuten zu knistern. Es ist nicht schwierig, dies von aus­sen zu beobachten. 

Merkwürdig ist nur, dass dieser junge Mann nie konkret wird. Er lässt Mariam über mehrere Jahre lang in Ungewissheit, was er für sie fühlt. Eines Tages beten wir zusammen um Klarheit und kurz darauf ergibt sich zwischen den beiden ein klärendes Gespräch.

Der Mann hat sich gegen sie entschieden ... Mariam ist am Boden zerstört! Sie kann nebst der Trauer einfach nicht verstehen, warum er ihr drei Jahre lang Hoffnungen gemacht hat. 

Später schreibt er ihr in einer Kurznachricht: «Ich hoffe, dass du mir eines Tages verzeihen kannst.» 

Sie schreibt zurück: «Ich habe dir längst verziehen! Wer bin ich, dass ich dir nicht vergeben sollte, wenn doch Gott mir tagtäglich meine Fehler verzeiht?»

Ich bin zutiefst beeindruckt! Diese junge Frau hat zwei grundlegende Dinge vom Evangelium verstanden: 

  • Ich weiss tief innen, dass Gott mich liebt.
  • Wer bin ich, dass ich nicht vergeben sollte? 

Seit mehr als vierzig Jahren höre und lese ich regelmässig die gute Nachricht. Ich frage mich: Bin ich auch so weit? Habe ich diese zwei Grundwahrheiten ebenfalls begriffen?