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Mission | April 2021


Vergeben = ver-geben

Da hing ER, zwischen Himmel und Erde! Warum musste ER mit solch unmenschlicher Brutalität hergeführt und an das Kreuz genagelt werden? Die einen weinten aus tiefstem Leid, die anderen trieben weiterhin ihren grundlosen Spott mit Ihm. Plötzlich hörte man seine Stimme:




«Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun» (Lukas 23,34 NGÜ).

Was hat ER gerade gesagt? Sie standen da und konnten es nicht fassen! Wie kann ER nur – einfach so VERGEBEN?!

2000 Jahre sind seit diesem Ereignis verflossen. Wir sitzen zusammen und denken über folgendes Bibelwort nach:

«Genauso, wie der Herr euch vergeben hat, sollt auch ihr einander vergeben» (Kolosser 3,13b NGÜ).

Unmöglich! Wie soll ich diese Ungerechtigkeit an mir einfach so vergeben? Das werde ich nie vergessen und auch nicht vergeben können. – Auch schon erlebt?!

Was bedeutet Vergebung und was bedeutet sie nicht?

Wenn jemand sich an uns verschuldet, kann es schwer sein, dies loszulassen und weiterzugehen. Aber eigentlich strafen wir uns selbst, wenn wir Frustration und Groll gegenüber anderen hegen und nach-tragend weiter stolpern. 

Vergebung bedeutet nicht, dass die Person, die uns Leid angetan hat, unschuldig ist. Vergebung bedeutet nicht, dass man einfach alles vergisst. Vergebung nimmt auch den Schmerz nicht auf einmal ganz weg. Vielmehr bedeutet Vergebung, den Schmerz los-lassen, den der Vorfall uns bereitet hat.

Wir ver-geben, weil uns Gott vergeben hat und uns auffordert das Gleiche zu tun. Vergebung ist also ein Willensakt, der den Prozess zur Befreiung auslöst!  

Schlussgebet
Vater im Himmel, ich danke dir von Herzen für deinen Zuspruch: «ICH tilge deine Missetat wie eine Wolke und deine Sünden wie Nebel» (Jesaja 44,22a)!

Zeugnisse aus Ghana 
R. hat schon viel Armut, Gewalt, Hass, Hunger, Verzweiflung und Not gesehen in der Millionenstadt Accra. Sie sagt: 

«Ungläubige Menschen denken oft, wir Christen würden einfach schnell sagen: ‹Es tut mir leid, kannst du mir vergeben?› Um Vergebung bitten oder jemandem vergeben, der mir Leid zugefügt hat, ist gar nicht so einfach. Für mich bedeutet dies immer einen Kampf. Ich brauche Demut und die Hilfe von Gott! Eine Wunde erinnert mich vielleicht ein Leben lang an das schmerzvolle Ereignis. Aber in meinen Gedanken und Gefühlen will ich vergeben.» 

L. ist eine ältere Christin und bezeugt: 

«Wenn ich vergeben habe, aber die Tat immer wieder vor meinen Augen steht und es mir Mühe macht sie zu vergessen, dann segne ich die Person. Ich nenne sie beim Namen und entscheide mich: Ich will ver­geben. Ich lege die Last ab und muss sie nicht nach-tragen. So erlebe ich immer wieder neu, wie ich verändert und befreit weiter gehen kann.»

K., ein Pastor, der mit seinem Team unter den ärmsten Menschen auf den Strassen Accras arbeitet, sagt:

«In der Akan Volksgruppe konnte ein Vergehen nicht ausgeglichen werden, ohne Rache zu üben. Ein Vorfall wird nicht vergessen. Deshalb haben wir eine traurige Bilanz von so vielen Kriegen und Unversöhnlichkeiten in unserer Geschichte. Verzeihen, aber nicht vergessen, heisst es bei uns. Was vergeben und um Vergebung bitten wirklich beinhaltet, können wir am aller­besten im Leben von Jesus beobachten. Aus unserer eigenen Kraft können wir nicht wirklich vergeben. Aber Gott schenkt uns seinen Heiligen Geist, der uns hilft von Herzen zu vergeben.» 

Schlussgedanken
«Am Kreuz, dort zwischen Himmel und Erde, hat sich Jesus entschieden, dir und mir zu vergeben. Er war im Willen seines Vaters verankert und daraus floss das Vermögen, dies zu tun. 

Im Namen Jesu bitte ich dich um deinen Beistand, die Entscheidung zu treffen: Ich vergebe! Danke, dass du mich in diesem Prozess geduldig begleitest und stärkst. Amen!»

Dr. M. A. Milton sagt treffend: «Vergebung wird zu einer Entscheidung, wenn das innere Betriebssystem der eigenen Seele transformiert wurde durch das Erlösungswerk Jesu. Die Kraft der Vergebung fliesst dann von Gott zu mir, dann von mir zu Anderen und schliesslich wieder zu mir selbst zurück.»