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Thema | September 2019


Gemeinde – eine Frage der Perspektive

Was ist für dich das Schönste auf Erden? Wann schlägt dein Herz höher? Was erhascht deine Aufmerksamkeit und fesselt deine Leidenschaft? Ist es der Anblick eines schneebedeckten Berggipfels in herrlicher Abendsonne, der aus dem farbenprächtigen Herbstwald hinein in den tiefblauen Himmel ragt? Oder eher, wenn eine zarte Delikatesse deinen Gaumen erfreut? Oder trifft es bei dir dann zu, wenn du gespannt und gebannt ein Musikstück an einem Konzert mitanhören oder sogar selber mitspielen kannst?



Gottes Perspektive
Diese Momente sind zweifellos einzigartig – vielleicht auch für dich. Und für Gott? Seine Schöpfung ist ein mächtiges Wunderwerk, unbestritten! Doch was ist aus Gottes Perspektive das Einzigartige in dieser Welt? Wofür schlägt sein Herz und glänzen seine Augen in besonderer Weise? Ist es wohl der Blick auf die Berge oder das Hören einer musikalischen Glanzleistung? Ich bezweifle es. Wenn Gott vom Himmel auf die Erde sieht, so rückt etwas anderes in seinen Fokus: seine Gemeinde! Sie besteht aus Menschen, die durch Jesus Christus von Sünde erlöst und mit ewigem Leben beschenkt wurden. Seine Gemeinde bleibt als sein Leib bestehen, selbst wenn die Schöpfung vergehen wird. Im Blick auf seine Gemeinde kommt sein Herz ins Schwingen und seine Liebe pulsiert. Und das nicht grundlos: Für sie hat sein Sohn sich selbst hingegeben und sie erkauft, deshalb ist sie in seinen Augen so wertvoll (Epheser 5,25).

Meine Sicht
Was geschieht in dir, wenn du an deine Gemeinde denkst? Kommt dein Herz ins Schwingen oder macht sich beim Verinnerlichen dieses Gedankens eher Stirnrunzeln bemerkbar? Sträubt sich etwas in dir, wenn du dir bewusst wirst, dass deine Gemeinde ein Teil dieses Schönsten, Einzigartigsten und Wertvollsten sein soll? Deckt sich dieser Gedanke nicht mit deiner Sicht deiner Gemeinde? Denkst du, dass deine Gemeinde da nicht dazu passt, weil doch ihr Glanz längstens verblasst und von den vielen Nöten und Unvollkommenheiten überschattet und eingehüllt ist?

Gottes Sicht
Jesus weiss um die Mängel und Sorgen in der Gemeinde. Er sieht nicht einfach darüber hinweg, sondern er identifiziert sich mit seiner Gemeinde. Auch eine lokale Gemeinde ist aus Gottes Sicht sein Eigentum. Jesus hat sie durch sein Blut so rein gewaschen, dass sie durch ihn heilig, tadellos, ohne Flecken und Runzeln dasteht (Epheser 5,27). Und was ist mit den gegenwärtigen Nöten und Herausforderungen? Die sind doch immer noch vorhanden und machen uns zu schaffen. – Ja, aber diese Situationen können Gottes Entscheidung nicht umkippen. Er hat sich entschieden, seine Gemeinde zu lieben, trotz ihren Nöten. Darum identifiziert er sich mit ihr. Ich merke: Liebe zu Jesus und seiner Gemeinde ist nicht primär ein Gefühl, sondern in erster Linie eine Entscheidung. 

Gottes Entscheidung ist gefallen
Jesus machte seine Liebe zur Gemeinde nicht von äusseren Umständen abhängig, sondern es war seine unumstössliche Herzensentscheidung. Der ewige Sohn Gottes weiss aufgrund seiner Allmacht, dass er jeder Herausforderung Meister sein und bleiben wird. Und er weiss, dass er seine Gemeinde ans Ziel bringen wird.

Meine Einstellung hinterfragen
Dieses Endziel Gottes mit seiner Gemeinde habe ich jedoch auch schon aus den Augen verloren. Ich habe mich ertappt, dass ich mir eine irdische und menschliche Perspektive von Gottes Gemeinde angeeignet hatte. Dies äusserte sich darin, dass ich mich bezüglich Gemeinde von einer pessimistischen, makel- orientierten Sicht prägen liess, statt mich von Gottes Perspektive bestimmen zu lassen. Mit einer solchen Haltung tue ich aber Gott und seiner Gemeinde Unrecht. Damit liege ich falsch! Dafür habe ich Busse zu tun! Das bedeutet Gott um Vergebung zu bitten und meine Einstellung zu ändern.

Erkennst du auch ähnliche Parallelen in deinem Leben? Joshua Harris schreibt in seinem Buch Mehr als ein Sonntagsflirt prägnant: «Wie können wir es wagen, etwas an die Peripherie unseres Lebens zu drängen, wofür Jesus sein Leben gelassen hat?» Ich frage mich: Wie können wir es wagen, über Gottes Herzensangelegenheit herablassend und verunglimpfend zu sprechen? Wie können wir es wagen, etwas, was Jesus so sehr am Herzen liegt, als seine Nachfolger nicht auch zu lieben?

Aufruf zum Perspektivenwechsel
Ich rufe auf zum Perspektivenwechsel. Ich rufe auf, auch trotz aller Unvollkommenheiten in unseren Gemeinden, uns von Gottes Sicht her neu prägen zu lassen. Ich rufe auf, in die Fussstapfen von Jesus zu treten und die Gemeinde nicht nur aus einem Gefühl heraus zu lieben, sondern aufgrund einer Entscheidung – wie Jesus. 

Folgen meines Perspektivenwechsels
Wer sich mit Gottes Perspektive für seine Gemeinde auf den Weg macht, der identifiziert sich mit ihr. Seine Identifikation hängt dann nicht mehr von Äusserlichkeiten ab wie Attraktivität, Modernität, Musikstil oder Programm, sondern eine solche Person identifiziert sich mit der Gemeinde wegen Jesus. Weil Jesus mein Vorbild ist, folge ich ihm nach. Ich lasse meine Perspektive von ihm bestimmen; auch in Bezug auf die Gemeinde. Ein solcher Perspektivenwechsel wird aber nicht ohne Folgen bleiben und vielleicht können diese sogar schmerzlich sein. Denn in Gottes Reich zählt nicht mehr: Mein Wille geschehe, sondern: Dein Wille geschehe. Nicht: Mein Reich komme, sondern: Dein Reich komme. Es wird bedeuten, dass wir uns ganz von Jesus her prägen lassen und bitten: «Herr, weise mir deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte» (Psalm 86,11).

Jesus im Fokus
Weil ich weiss, dass Jesus seine Gemeinde ans Ziel führen wird, darf ich auch gelassen bleiben. Es motiviert mich, in diesem grossen Projekt Gottes dienen zu dürfen, und es spornt mich zudem an, mein Leben dafür einzusetzen. Ich will meiner Liebe zu Jesus durch meine Mithilfe in der Gemeinde Ausdruck geben und bin gespannt, wie Gott in unserer gegenwärtigen Zeit seine Gemeinde weiterführt. Es kommt gut – nicht wegen mir, auch nicht wegen dir – sondern wegen Jesus!